Griechenland: Ex-Nummer 2 der "Goldenen Morgenröte" weiter flüchtig

Christos Pappas war gemeinsam mit anderen Spitzenfunktionären der rechtsextremen Partei zu Haftstrafe verurteilt worden - Medien vermuten ihn in einem "Balkanland"

An sich wurden die Spitzenkräfte der "Goldene Morgenröte" im Oktober 2020 zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, doch entzieht sich die frühere Nummer 2 der griechischen Neonazi-Partei immer noch des Zugriffs durch die Behörden. Die Flucht von Christos Pappas ins Ausland sorgt weiter für Schlagzeilen. Griechische Medien vermuten, dass sich der 59-Jährige in einem "Balkanland" aufhält, um einer Haftstrafe von 13 Jahren zu entgehen. Es existiert ein Interpol-Haftbefehl.

Umstritten ist indes die Rolle der griechischen Polizei, schließlich standen alle Angeklagten aus den Reihen der Goldenen Morgenröte vor dem Prozess unter Überwachung der Exekutive. Pappas hatte sich aber das letzte Mal Anfang Oktober des Vorjahres ordnungsgemäß in einem Athener Polizeirevier gemeldet. Dann machte er sich offenbar über die Grenze aus dem Staub. Die Flucht dürfte Medien zufolge aber von langer Hand geplant worden sein. Die linkspopulistische Syriza-Partei von Ex-Premier Alexis Tsipras warf den Behörden Versagen, wenn nicht sogar Mitwisserschaft vor.

Pappas war Gründungsmitglied der rechtsextremen "Chrisi Avgi" und wurde am 22. Oktober 2020 wie Parteichef Nikos Michaloliakos wegen der Gründung einer kriminellen Vereinigung zu 13 Jahren Haft verurteilt. Zudem bekamen weitere Parteimitglieder mehrere Jahre Haft aufgebrummt.

Die Mitglieder der "Goldenen Morgenröte" hatten immer wieder linksalternative Aktivisten und Migranten attackiert. Ein Parteianhänger wurde zu einer lebenslänglichen Strafe verurteilt. Er hatte 2013 einen linken Rapper erstochen. Auf diese Tat folgten Hausdurchsuchungen und Ermittlungen gegen die Parteispitze sowie zahlreiche Funktionäre wegen weiterer Vergehen, darunter Waffenbesitz und Bildung einer kriminellen Vereinigung.

Zuvor war die "Goldene Morgenröte" jahrelang im Parlament in Athen vertreten gewesen. Während Griechenlands schwerer Finanzkrise war sie vorübergehend drittstärkste Kraft geworden. Bei der Wahl 2019 scheiterte sie jedoch an der Drei-Prozent-Klausel und ist seitdem nicht mehr im Parlament in Athen vertreten.

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