Griechische Me-Too-Debatte erreicht Regierung

Rufe nach Rücktritt von Kultusministerin Mendoni

Sport und Kultur in Griechenland werden von einer Me-Too-Debatte erschüttert, die nun auch den Posten der Kultusministerin ins Wanken bringt. Anlass ist die Festnahme des bekannten griechischen Schauspielers und Intendanten des Nationaltheaters in Athen, Dimitris Lignadis. Dem 56-Jährigen wird von zwei Männern vorgeworfen, sie im Teenager-Alter vergewaltigt zu haben.

Lignadis sitzt seit Sonntag in Untersuchungshaft - und die Forderungen nach dem Rücktritt von Kultusministerin Lina Mendoni werden immer lauter. Am Dienstag äußerten sich auch Mitglieder der konservativen Regierungspartei Nea Dimokratia entsprechend, wie griechische Medien berichteten.

Kultusministerin Mendoni hatte bei der Besetzung des Chefpostens des Nationaltheaters im Jahr 2019 auf die sonst übliche Ausschreibung verzichtet und Lignadis direkt ernannt. "Er hat uns und mich getäuscht", sagte sie nun in Reaktion auf die Festnahme des Intendanten. Vor allem diese lapidare Äußerung sowie die Weigerung, Konsequenzen zu ziehen, sind es, die ihr übel genommen werden. Kulturschaffende und die Opposition fordern Mendonis Rücktritt.

Premier Kyriakos Mitsotakis müsse Mendonis Rücktritt veranlassen, der Premier müsse Verantwortung übernehmen, forderte der Linken-Politiker und Oppositionschef Alexis Tsipras.

Die aktuelle Me-Too-Debatte ist in ihrem Umfang die erste ihrer Art in Griechenland. Losgetreten wurde sie von der landesweit beliebten Seglerin Sofia Bekatorou, vierfache Weltmeisterin, Olympionikin und zweifache Weltseglerin des Jahres. Die 43 Jahre alte Sportlerin hatte Mitte Jänner einem hohen Funktionär des griechischen Segelverbands EIO sexuellen Missbrauch vorgeworfen, der 1998 stattgefunden haben soll und nunmehr verjährt ist. Seither vergeht kaum ein Tag ohne neue, zum Teil massive Vorwürfe vor allem in den Bereichen Sport und Kultur.

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