"Hard Land": Kopfkino über Verlust, Liebe und Freundschaft

Bestsellerautor Benedict Wells schrieb eine Hommage an Coming-Of-Age-Filme der Achtziger (Von Wolfgang Hauptmann/APA)

"In diesem Sommer verliebte ich mich, und meine Mutter starb." So beginnt "Hard Land", der neue Roman von Benedict Wells. Es ist eine Geschichte über Verlust, Liebe und Freundschaft in der Übergangszeit von der Kindheit zur Jugend. Der deutsch-schweizerische Schriftsteller hat die Handlung in einer Kleinstadt der USA im Jahr 1985 angesiedelt und eine Hommage an Coming-Of-Age-Filme der Achtziger verfasst. Da darf es mitunter sogar ein wenig schmalzig werden.

Erste Sätze in Werken berühmter Schriftsteller sind in "Hard Land" mehrmals Thema. Daher dürfte Wells, Autor des in bisher 37 Sprachen übersetzten Bestsellers "Vom Ende der Einsamkeit", seine Einstiegsworte wohl überlegt haben. Sie fassen auch perfekt Inhalt und Stimmung des Romans zusammen. Erzählt wird die Geschichte in der Ich-Form vom 15-jährigen Sam, der eine Zeit zwischen Melancholie und Euphorie, Ausgelassenheit und Trauer erlebt.

Die Zutaten erinnern bewusst an Filme wie "Breakfast Club" oder "Stand By Me": Sam, ein wenig Außenseiter in der Schule, unsicher und unerfahren in Beziehungen, nimmt eine Ferienjob in einem vor der Schließung stehenden Kino an, wo cineastische Klassiker ein spärliches Publikum anlocken. In einer Clique mit drei Arbeitskollegen, darunter die rebellische, lebenslustige Kirstie, dreht sich Sams Sommer um Party, Mutproben und Liebe. Zugleich muss der Heranwachsende den Tod der Mutter verkraften und die Beziehung zu Vater und Schwester neu ordnen.

In "Hard Land" gibt es so gut wie alles, was einem zum Genre in den Sinn kommt: u.a. den Schulschläger, der Schwächere drangsaliert, die verständnislosen und den netten Lehrer (letzterer selbstverständlich einer, der Literatur unterrichtet), den Vater, der erst lernen muss, wie er der Unsicherheit seines Sohnes begegnen kann, erste Erfahrungen mit Alkohol und Sex, ungewöhnliche Freundschaften und jede Menge Songs. Wells liefert den Soundtrack zum Film im Kopf mit - nicht nur in Form einer am Ende angeführten Playlist, sondern auch, weil Musik von ELO, Bruce Springsteen und Billy Idol in der Handlung Bedeutung zukommt.

"Hard Land" ist Wohlfühlstoff, leicht zu lesen, stellenweise mit mehr oder weniger Tiefgang, mal humorvoll, dann wieder nachdenklich, gelegentlich auch kitschig, aber von sprachlicher Qualität und mit einem Erzähler, der den richtigen Ton trifft. Bisweilen spielt der Autor mit Klischees, was ihm meist gut gelingt. Den Leser erwartet solide Unterhaltung mit einer Menge an "Name Dropping" in Sachen Film, Musik und Literatur. Das Ende entspricht genau dem, was man von einem Mainstream-Coming-Of-Age-Streifen in den Achtzigern erwarten durfte: Man geht mit einem Lächeln aus dem (Kopf-)Kino...

(S E R V I C E - Benedict Wells: "Hard Land", Diogenes Verlag, 344 Seiten, 24,70 Euro)

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