Homeoffice-Gesetz - Kritik auch von Gewerbeverein und Softwareverband

Änderungen gehen laut ÖGV-Präsident Lieber an Realität vorbei - Regierung hat Chance vertan

Kritik an den neuen Homeoffice-Regeln kommt auch von Peter Lieber, Präsident des Österreichischen Gewerbevereins (ÖGV) sowie des Verbands der Österreichischen Software Industrie (VÖSI). Der Entwurf komme fast ein Jahr zu spät und hinke der Praxis noch immer weit hinterher. In nahezu allen IT-Unternehmen sei Homeoffice schon seit vielen Jahren selbstverständlich, für viele Büro- und IT-Angestellte sei es zudem normal, von überall aus zu arbeiten.

"Es ist daher unverständlich, dass der Gesetzgeber die Chance vergibt 'Remote Working' bzw. 'Digital Working' generell zu regeln", so Lieber am Dienstag in einer Aussendung. Wie viele andere monierte auch der ÖGV-Präsident die extrem kurze Begutachtungsfrist von dreieinhalb Tagen. "Zuerst passiert monatelang nichts, und dann soll plötzlich im Schnellschussverfahren ein Gesetz auf Schiene gebracht werden."

Die Idee, steuerliche Vorteile bei der Anschaffung von ergonomischen Möbeln an eine Frist von auch nur 26 Arbeitstagen in den eigenen vier Wänden zu koppeln, gefällt dem ÖGV nicht. "Wir wünschen uns keine Tagesbegrenzungen, sondern eine flexible Zugangsweise", so Lieber. Ursprünglich war eine Grenze von mindestens 42 Tagen Homeoffice pro Jahr vorgesehen, nach Kritik unter anderem von Arbeiterkammer und Gewerkschaftsbund wurde diese auf 26 Tage gesenkt.

Der Gewerbeverein meint, die anfallende Homeoffice-Zeit sei stark vom Job abhängig. Es brauche hier ohnehin auch eine klare betriebsinterne beidseitige Vereinbarung für das mobile Arbeiten außerhalb des Firmengebäudes und zu Hause.

Die geplante steuerliche Begünstigung von bis zu 600 Euro (300 Euro für das Unternehmen, 300 Euro für den Arbeitnehmer) ist dem ÖGV zu niedrig, die Befristung bis vorerst 2023 findet er unnötig.

Von der ÖVP-Arbeitnehmervertretung in der Arbeiterkammer (AK) kam hingegen Lob für die Reduktion der Homeoffice-Tage. "Mit der Reduktion auf 26 Tage und den vollen 300 Euro im Jahr hat man jetzt die Probleme deutlich gemildert", so Fritz Pöltl, FCG-ÖAAB-Fraktionsführer in der AK Wien.

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