Illegaler Handel in Europa ist Gefahr für die letzten wilden Tiger

WWF: Mechanismen zur Nachverfolgung einzelner Exemplare stärker nutzen

Laut einem Report des WWF ist Europa ein Drehkreuz des Tigerhandels. Demnach zählen Länder wie Deutschland, Frankreich, Belgien oder Italien zu den 30 größten Exporteuren und Importeuren weltweit. Von 2013 bis 2017 wurden 187 lebende Tiger in Drittländer ausgeführt, davon 43 zu kommerziellen Zwecken, beispielsweise für die Zucht. 73 landeten in Zirkussen und Freizeitparks rund um den Globus. Darüber hinaus wurden 95 Tigerprodukte beschlagnahmt.

"Das befeuert letztlich Wilderei und gefährdet so die letzten 4.000 wild lebenden Exemplare", warnte Georg Scattolin, Artenschutzexperte des WWF Österreich, am Mittwoch. Ein wichtiger Ansatz wäre, gute und bereits existierende Mechanismen zur Nachverfolgung einzelner Exemplare stärker zu nützen - wie zum Beispiel die Datenbanken und Register aus Zoologischen Gärten und Behörden.

Außerhalb von Zoos würden zahlreiche Tiger gehalten. "Allerdings kennen wir weder die genaue Zahl noch wo sie sich befinden, da jedes Land unterschiedliche nationale Bestimmungen hat", so Scattolin. Erst im Vorjahr wurden auch in Österreich zwei Tigerjungtiere von den Behörden in einer Privatwohnung in Hainburg beschlagnahmt.

Der WWF-Report "Falling Through The System" untersuchte nationale Gesetzgebungen, Vorschriften und politische Richtlinien bezüglich der Haltung und Zucht von Tigern in Gefangenschaft, der Entsorgung der Körper und Körperteile verstorbener Tiere in der EU sowie der Durchsetzung dieser Vorschriften. Anlass waren Ermittlungen in der Tschechischen Republik im Jahr 2018, als ein Netzwerk von privaten Züchtern, Mittelsmännern und Händlern aufgedeckt wurde.

2009 waren nur noch 3.200 Tiger in der Wildbahn gezählt worden. 2010 verpflichteten sich alle Regierungen der dreizehn "Tigerstaaten", die Zahl frei lebender Exemplare bis 2022 zu verdoppeln. Dass es heute wieder etwa 3.890 Tiger sind, sei insbesondere dem erfolgreichen Tigerschutz in Nepal, Indien und Russland zu verdanken. Neben Lebensraumzerstörung bleibt jedoch Wilderei die größte Bedrohung. Der illegale Handel und die Nachfrage nach angeblichen Tiger-Wundermitteln wird zusätzlich durch Tigerfarmen und dubiose Züchter befeuert

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