Impfung - Serbische Corona-Impfkampagne läuft weiter auf Hochtouren

Präsident Vucic sonnt sich im Erfolg und gibt den Wohltäter in der Region (Von Breda Ozim/APA)

In Serbien läuft die Coronavirus-Impfung seit Wochen auf Hochtouren. Bis Montag wurden nach offiziellen Angaben 1,2 Millionen Bürger geimpft, 720.000 davon haben auch schon die zweite Dosis erhalten. "Sobald 1,5 Millionen Menschen zwei Dosen bekommen haben, ist zu erwarten, dass das Viruspotenzial nachlässt", zeigte sich Predrag Kon vom Corona-Krisenstab am Montag optimistisch. Die Regierung gibt indes auch jenseits der serbischen Grenzen den Wohltäter.

Auch wenn die Stimmung optimistisch ist, wird seit Ende Jänner erneut ein Anstieg von Krankheitsfällen registriert. Am Montag gab es wieder fast 3.000 Neuinfektionen. Seit dem Ausbruch der Pandemie wurden in Serbien insgesamt 439.596 Krankheitsfälle verzeichnet, 4.351 Personen starben. Auch aus dem vor wenigen Monaten errichteten Belgrader Covid-Krankenhaus wurde am Dienstag über einen erneuten Anstieg der Patientenzahl berichtet. Laut Kon wird eine stabilere Situation bei der Pandemiebekämpfung erst erreicht sein, wenn man drei der sieben Millionen Bürger durchgeimpft haben werde.

Unter Menschen in Warteschlangen vor den Impfzentren gibt es unterdessen keinen Zweifel, wem der gut laufende Impfprozess zu verdanken ist: Präsident Aleksandar Vucic. Er selbst hatte kürzlich bestätigt, dass Serbien sich bereits seit Ende des Sommers 2020 bemüht habe, den Impfstoff auf eigenen Wegen zu besorgen. Er persönlich sei wiederholt in Kontakt mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping gewesen und habe ihn auch um einen günstigeren Preis für das chinesische Vakzin gebeten. Wie hoch dieser am Ende war, ist nicht bekannt. Von den Behörden wird allerdings erwartet, dass der Staat zwischen 200 und 300 Millionen Euro oder 0,7 Prozent des BIP für den Impfstoff ausgeben wird.

1,5 Millionen Dosen des chinesischen Vakzins sind bisher in Serbien eingetroffen. Dazu kommen noch etwa 90.000 BioNTech/Pfizer-Dosen und 150.000 AstraZeneca-Dosen. Auch Sputnik V wurde bereits geliefert. Bei der Impfanmeldung können sich die Bürger daher nach Belieben für das eine oder andere Vakzin entscheiden. Aus Ärztekreisen heißt es aber, dass kürzlich gegen die Grippe geimpfte Personen nicht das russische Sputnik-V-Vakzin erhalten sollen.

Unterdessen hat sich Serbien auch hilfsbereit gezeigt. Zuerst hatte Präsident Vucic höchst persönlich 8.000 BioNTech/Pfizer-Impfdosen dem nordmazedonischen Premier Zoran Zaev am gemeinsamen Grenzübergang Tabanovce überreicht. Ministerpräsidentin Ana Brnabic flog Ende vergangener Woche nach Podgorica, um 2.000 Dosen des russischen Vakzins dem dortigen montenegrinischen Amtskollegen Zdravko Krivokapic zu überreichen.

Erste Impfdosen waren aus Belgrad schon Anfang Februar auch nach Banja Luka in den serbischen Landesteil Bosniens geliefert worden. Seit Mitte letzter Woche wird in serbischen Grenzstädten auch die Impfung von medizinischem Personal der bosnischen Republika Srpska organisiert. 5.000 Personen sollen so immunisiert werden.

Serben aus dem Norden des Kosovo lassen sich ebenfalls in Serbien impfen. Die kosovarischen Behörden wollen nämlich keinen Impfstoff aus Serbien annehmen und erwarten Impfstofflieferungen im Rahmen des Covax-Programms, ebenso der größere bosnische Landesteil, die Bosniakisch-Kroatische Föderation.

Dass in Serbien der Impfprozess nicht nur eine Aufgabe des Gesundheitswesens ist, sondern ganz klar auch führenden Politikern noch größere Popularität sichern soll, zeigte eine kürzliche Reaktion von Ministerpräsidentin Brnabic. Diese beschuldigte in der Vorwoche den regierungskritischen TV-Sender N1, den "Impfplan untergraben zu wollen". Anlass war ein Bericht über ein geschlossenes Impfzentrum in Belgrad, vor dem sich eine Warteschlange bildete. Die Wartenden hatten jedoch ihre Einladung nicht genau gelesen, denn es handelte sich um einen Feiertag.

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