Kanadier an Supermarktkonzern Carrefour interessiert

Alimentation Couche-Tard will französische Kette übernehmen - Gespräche in "sehr frühem" Stadium bestätigt - Gebot noch nicht fix

Im Einzelhandel bahnt sich womöglich ein milliardenschwerer Zusammenschluss an. Die kanadische Alimentation Couche-Tard und der französische Supermarktkonzern Carrefour bestätigten am Dienstagabend Gespräche über eine mögliche Transaktion. Die Kanadier seien dabei auf Carrefour "in freundlicher Absicht" zugekommen, teilten die Franzosen mit. Es sei dabei unsicher, ob es zu einer Vereinbarung komme.

Beide Parteien erklärten, die Gespräche seien in einem "sehr frühen" Stadium. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, Alimentation Couche-Tard erwäge eine Übernahme von Carrefour.

An der Euronext Paris stieg der Kurs von Carrefour am Mittwochvormittag um gut 14 Prozent auf fast 18 Euro je Aktie. Bloomberg zufolge könnten sich Investoren bei einem Übernahmeangebot auf eine ordentliche Prämie einstellen. Wie die Nachrichtenagentur am Mittwoch unter Berufung auf mit der Situation vertraute Personen berichtete, erwägt Couche-Tard ein Angebot von 20 Euro je Aktie. Damit würde Carrefour mit etwa 16,4 Milliarden Euro bewertet. Das wäre ein Aufschlag von etwa 29 Prozent auf den Schlusskurs vom Dienstag. Carrefour wollte dies nicht kommentieren.

Anleger von Alimentation Couche-Tard in Toronto zeigten sich nicht begeistert. Die Aktien der Kanadier gingen am Dienstag mit einem Abschlag von mehr als zweieinhalb Prozent auf den tiefsten Stand des Tages aus dem Handel. An der Börse von Toronto wird Couche-Tard derzeit mit gut 46 Milliarden kanadischen Dollar bewertet (etwa 30 Mrd. Euro).

Am Markt wurde der Vorstoß von Couche-Tard mit etwas Verwunderung aufgenommen: Hinsichtlich des Formats und der geografischen Ausrichtung der beiden Einzelhändler sieht Jefferies-Analyst James Grzinic keine Überlappungen, sodass es schwierig sei, nach einer angemessenen Bieterprämie Synergieeffekte für die Kanadier zu identifizieren. Unter dem Strich wäre dieser Schritt eine klare Abkehr von der bisherigen Strategie der Nordamerikaner. Ein Gebot für Carrefour sei auch noch keineswegs gewiss. UBS-Experte Sreedhar Mahamkali hält ein Angebot für einen opportunistischen Ansatz mit mangelnden Synergien und strategischen Vorteilen für den französischen Handelskonzern.

Alimentation Couche-Tard konzentriert sich auf Convenience-Shops sowie Tankstellen und hat sich in den vergangenen Jahren durch Zukäufe stetig vergrößert - zuerst in Kanada, später in den USA. Seit 2012 ist das Unternehmen in Europa vertreten. Allerdings liegt der Fokus des Geschäfts auf den USA und der asiatisch-pazifischen Region. Zuletzt hatte Couche-Tard versucht, die australische Caltex Australia zu übernehmen, entschied sich jedoch in der Corona-Pandemie gegen ein Gebot.

Eine Übernahme von Carrefour könnte Couche-Tards Präsenz in Europa sowie Südamerika erhöhen. Carrefour betreibt allein in Europa 2.800 Supermärkte sowie gut 700 großflächigere Einkaufsmärkte. Die Franzosen haben dabei in den vergangenen Jahren auf ihrem Heimatmarkt gegenüber dem Konkurrenten Leclerc sowie deutschen Diskontern wie Aldi und Lidl an Boden verloren. Besonders die deutschen Konkurrenten hatten dort zuletzt erheblich expandiert. Aldi Nord hatte etwa Anfang Dezember Hunderte Filialen des Konkurrenten Casino übernommen. Frankreich gehört dabei zu den härtesten Einzelhandelsmärkten in Europa.

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