Kolumbien: ELN-Guerilla will Gespräche mit Regierung wieder aufnehmen

Warten auf Antwort der Regierung

Die linke kolumbianische Guerillaorganisation ELN will nach mehr als eineinhalb Jahren wieder Gespräche mit der Regierung aufnehmen. Das "Telefon" zwischen den beiden Seiten sei nicht komplett zerbrochen, sagte der ELN-Chefunterhändler Israel Ramírez Pineda alias "Pablo Beltrán" im Interview der Deutschen Presse-Agentur in der kubanischen Hauptstadt Havanna.

"Wir warten darauf, dass die Regierung in Bogotá ihre Delegierten ernennt, damit wir erste diskrete und vertrauliche Treffen haben können, um zu sehen, welche gegenseitigen Erwartungen es an einen Prozess gibt".

Bis Jänner 2019 hatte es bereits Friedensgespräche zwischen der kolumbianische Regierung und der marxistisch-leninistischen ELN (Nationalen Befreiungsarmee), die seit 1964 in Konflikt mit dem Staat steht, gegeben. Diese brach die Regierung von Präsident Iván Duque nach einem Bombenanschlag mit 22 Toten auf eine Polizeiakademie in der Hauptstadt Bogotá, für den die ELN die Verantwortung übernahm, jedoch ab. Im Juli schlug die ELN eine Waffenruhe während der Corona-Pandemie vor. Dies lehnte die Regierung ab.

Seit 52 Jahren tobt in Kolumbien der bewaffnete Konflikt zwischen den Streitkräften, linken Guerillagruppen und rechten Paramilitärs. Dabei gab es mehr als 200.000 Tote und Millionen Binnenvertriebene. Die größte Rebellengruppe FARC schloss 2016 einen Friedensvertrag mit der Regierung und legte die Waffen nieder, wodurch sich die Sicherheitslage in dem südamerikanischen Land verbessert hat. Mehr als 2000 FARC-Dissidenten kämpfen aber noch immer gegen die Regierung und um Anteile am Drogenhandel. Hinzu kommen geschätzt 2600 ELN-Kämpfer, die Anschläge verüben und Geiseln nehmen. Die ELN-Kommandanten halten sich immer wieder in Kuba auf.

Zuletzt gab es in Kolumbien eine Reihe von Massakern durch bewaffnete Gruppen sowie gewaltsame Proteste gegen Gewalt der Polizei und der Streitkräfte. Der Bürgerkrieg habe sich gewandelt, sagte Ramírez Pineda. "Es sterben nicht mehr Guerrilleros, sondern führende Sozialaktivisten und Ex-Kämpfer, die den Friedensvertrag unterschrieben haben."

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