Kultformat "Pan Tau" als temporeiche Hochglanzserie neu verfilmt

Zauberer mit Anzug, Schirm und Melone sorgte in den 1970ern für lustige und märchenhafte Momente - Neustart am Sonntag (4. Oktober)

"Pan Tau" ist Kult. Die deutsch-tschechische Serie aus den 1970ern erzählte Geschichten mitten aus dem Leben, märchenhaft, skurril und sehr lustig. Otto Simanek spielte in 33 Folgen den Zauberer, der mit Frack, Regenschirm und einem magischen Melonenhut dort auftaucht, wo Kinder seine Hilfe brauchen. Nun gibt es neue Geschichten von "Pan Tau". Ab Sonntag (4. Oktober) laufen die sieben Doppelfolgen ab 10.10 Uhr in der ARD und sind dort bereits in der Mediathek verfügbar.

Matt Edwards spielt den neuen "Pan Tau" - eine Rolle, die mit großen Erwartungen verknüpft ist. Kann er mit dem wunderbaren Otto Simanek mithalten? Edwards kann, legt die Figur aber anders an. Simanek tritt auf als feiner Herr alter Schule, zurückhaltend und bedächtig. Edwards dagegen kann nicht verleugnen, dass er in seiner Heimat England für turbulente und temporeiche Auftritte als Zauberer und Komiker bekannt ist. Sein Pan Tau ist unternehmungslustiger und frecher als das Original. Eines ist jedoch gleich: Beide reden nicht, sondern verlassen sich auf Gesten und Mimik. In der alten Serie fing der Zauberer erst gegen Ende an, zu sprechen.

"Der alte Pan Tau war reaktiv, er stand oft da und hat sich Dinge lächelnd angeschaut. Das war damals auch sehr bezaubernd. Aber wir wollten, dass der heutige Pan Tau viel mehr agiert", sagt die Regisseurin Franziska Meyer Price über die moderne Version. Zudem wolle man auch Teenager ansprechen. Mit Blick auf den internationalen Markt wurde auf Englisch gedreht.

Das chaotisch-heimelige Familienleben von früher wird in der modernen Version ersetzt durch eine durchgestylte Hochglanz-Optik. Das wird schon bei der Westpark-Schule deutlich, in Wirklichkeit in München die Botanische Staatssammlung. Der Pausenhof wird zum Campus, wie man ihn aus US-Teenieserien kennt, und alle tragen Pullis, Caps oder Rucksäcke mit Schullogo.

Im Schaukasten im Eingang steht die kleine Pan-Tau-Figur als Schulmaskottchen. In Notfällen wächst sie auf Menschengröße und hilft leidgeplagten Schülern. In jeder Doppelfolge steht Pan Tau anderen Jugendlichen mit Magie und verrückten Ideen zur Seite. Er hilft bei der Entwicklung einer Hundeausführ-Maschine, entführt Geschwister in die Mittelalterwelt einer Fantasybuchreihe oder bringt einen Schüler seinem Traum von einer Schlagzeugerkarriere näher. Prominente Gesichter mischen sich unter die deutsch-britische Schauspielerriege, etwa Armin Rohde oder Valerie Niehaus.

Erzählt werden die Geschichten temporeich und unterhaltsam. Kinder haben ihren Spaß, lachen über die Einfälle von Pan Tau und verfolgen die Geschichten gespannt. Denn die Serie ist weniger ein Märchen, sondern taucht in die heutige Welt junger Zuschauer ein. Es geht um Mobbing in der Schule, Influencer, die erste Liebe und vieles mehr.

Nostalgiker werden bei der Neuauflage dennoch einiges vermissen. An den Charme und den Witz der alten Episoden reicht sie nicht ganz heran, in denen Jindrich Polak meisterhaft die vielen kleinen Missgeschicke und Absurditäten des Alltags inszeniert. Was bekamen die Zuschauer vor 50 Jahren nicht alles geboten: Ein Vater setzt sich auf ein Sackerl mit Eiern. Ein Heimwerker hat das Ofenrohr so schlecht installiert, dass es mit einer Riesenladung Ruß aus der Wand fliegt. Und ein Mann findet in seiner Wohnung plötzlich ein Auto. Eine wunderbare Mischung aus Märchen, Aberwitz und Schadenfreude, immer mit einem liebevollen Blick auf die leidgeplagten Figuren.

Doch alten Zeiten nachtrauern - das bringt nichts. Zumal es wenig Sinn ergeben hätte, einen Abklatsch von früher zu produzieren. Der neue "Pan Tau" ist eigenständig und passt mit seiner schnellen Erzählweise zu den Sehgewohnheiten heutiger Kinder. Wer dennoch lieber in Erinnerungen schwelgt, kann sich trösten: Das Original läuft bei Amazon Prime.

(S E R V I C E - www.daserste.de/unterhaltung/serie/pan-tau/index.html)

OE24 Logo
Es gibt neue Nachrichten