Lagarde hält jüngste EZB-Prognosen trotz Lockdowns aufrecht

Vorhersagen gehen von Lockdown-Schritten bis März aus - EZB verfolge Eurokurs sehr genau

Die Europäische Zentralbank (EZB) steht laut Notenbank-Präsidentin Christine Lagarde trotz neuer Maßnahmen zur Eindämmung des Virus-Geschehens in vielen Ländern zu ihren Konjunkturprognosen für das laufende Jahr. "Ich denke, unsere letzten Projektionen im Dezember sind immer noch sehr klar plausibel", sagte Lagarde am Mittwoch in einem Interview auf dem Digitalforum "Reuters Next". Sie beruhten auf Annahmen, die immer noch zutreffend seien.

Die Vorhersagen gingen unter anderem von Lockdown-Schritten bis Ende des ersten Quartals aus. Trotz eines mühsamen Starts der Impfkampagnen gibt es Lagarde zufolge Grund zum Optimismus für das neue Jahr.

Aus Sicht der EZB-Chefin wäre es ein Grund zur Sorge, sollten beispielsweise Lockdown-Maßnahmen über das erste Quartal hinaus erforderlich sein und die Impfkampagnen ins Stocken geraten. Die Währungshüter der EZB hatten wegen der zweiten Pandemiewelle und den erneuten scharfen Eindämmungsmaßnahmen im Dezember ihre Wachstumsprognosen für 2021 deutlich gesenkt. Sie rechnen für das laufende Jahr nur noch mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 3,9 Prozent. Noch im September hatten sie 5,0 Prozent prognostiziert.

Es habe einige Unsicherheiten gegeben "die uns mit einer dunklen Wolke über unseren Köpfen in die Zukunft blicken ließen", sagte Lagarde. Dazu habe der Brexit gezählt, der Ausgang der US-Wahlen und die Frage der Zulassung von Impfstoffen. Doch inzwischen gilt aus Sicht der früheren Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF): "Einiges davon ist geklärt worden." Der Start der Impfkampagnen sei zwar mühsam gewesen und habe eine Menge Anlass für Kritik geliefert. Aber die Impfungen hätten begonnen. "Die ersten Schritte wurden gemacht." Und es würden hoffentlich noch weitere Impfstoffe im Laufe des Jahres zu den bisher verfügbaren hinzukommen.

Lagarde bekräftigte, dass die Notenbank die Kursentwicklung des Euro genau beobachten werde. "Wir werden weiterhin sehr aufmerksam sein hinsichtlich der Auswirkungen auf die Preise, die die Wechselkurse haben." Der jüngste Kursanstieg der Gemeinschaftswährung kommt für die EZB zur Unzeit. Denn dadurch werden unter anderem Produkte aus der Eurozone auf dem Weltmarkt teurer, was die Wettbewerbsfähigkeit schmälert.

Die EZB hat ihre Hilfen für die Wirtschaft bereits bis 2022 ausgeweitet. So hatte sie auf der Zinssitzung im Dezember unter anderem ihr Pandemie-Notprogramm PEPP um 500 Milliarden Euro auf ein Volumen von inzwischen 1,85 Billionen Euro aufgestockt. Das war bereits die zweite Erhöhung. Die Käufe wurden zudem bis mindestens Ende März 2022 verlängert. Lagarde zufolge könnte die EZB das Volumen der Käufe falls erforderlich erneut erhöhen. Sollte andererseits das derzeit anvisierte Volumen gar nicht in dem Ausmaß benötigt werden, könne sie auch weniger erwerben. "Wir werden angemessen kaufen, um unser Ziel günstiger Finanzierungsbedingungen einzuhalten."

Lagarde dämpfte in dem Interview Erwartungen, die EZB werde womöglich ein neues Inflationsziel bereits vor dem vollständigen Abschluss ihrer laufenden Strategieüberprüfung bekanntgeben. Eine sehr große Gruppe im EZB-Rat sei eher für ein Gesamtpaket, sagte sie. Die Euro-Währungshüter sind derzeit dabei, ihre geldpolitische Vorgehensweise einer gründlichen Neubewertung zu unterziehen. Letztmalig geschah das vor 18 Jahren. Damals hatte die EZB ihr Inflationsziel von nahe aber unter zwei Prozent festgelegt, das sie aber inzwischen seit Jahren verfehlt.

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