Lipa: EU warnt Sarajevo vor negativen Konsequenzen für EU-Perspektive

Borrell-Sprecher sieht schon jetzt Auswirkungen für Ansehen des Landes

Angesichts der verheerenden Lage für Migranten im bosnischen Flüchtlingslager Lipa hat die EU das Land vor negativen Auswirkungen auf dessen Beitrittsperspektive gewarnt. "Das könnte negative Konsequenzen für ihre Ambitionen haben, wenn es um EU-Bestrebungen geht", sagte ein Sprecher des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell am Freitag in Brüssel.

Schon jetzt wirke die Situation sich negativ auf das internationale Ansehen Bosnien-Herzegowinas aus. Zugleich betonte der Sprecher, dass die Situation in dem Lager trotz leichter Verbesserungen inakzeptabel sei und dringend gelöst werden müsse.

Das Camp Lipa im Nordwesten des Landes war im Dezember von der Internationalen Organisation für Migration (IOM) geräumt worden, weil die bosnischen Behörden es nicht winterfest gemacht hatten. Die Migranten blieben zeitweise bei winterlichem Wetter unter freiem Himmel. Mittlerweile wurden nach Angaben der EU-Kommission beheizte Militärzelte auf- und eine Wasserversorgung hergestellt.

"Die Welt" zitierte am Freitag aus einem vertraulichen Bericht der EU-Kommission, wonach sich die Zelte häufig in mangelhaftem Zustand befänden. Migranten beklagten, "dass Wasser durch Löcher eindringt und die Luft verschmutzt ist, weil die Heizsysteme mit Kraftstoff angetrieben werden und keine Ventilatoren vorhanden sind". Wegen fehlender sanitärer Anlagen litten "viele Menschen" an Hautkrankheiten. Einige wiesen Covid-19-Symptome auf.

Der Sprecher unterstrich am Freitag, dass die EU in den vergangenen drei Jahren 88 Millionen Euro für das Migrationsmanagement in dem Balkanland bereitgestellt habe. Das Geld sei an internationale Organisationen gegangen, weil das Land selbst keine effektiven Mechanismen habe, die Angelegenheit anzugehen. Bosnien-Herzegowina hat derzeit den Status eines potenziellen Beitrittskandidaten. Das Land hatte 2016 einen EU-Beitrittsantrag gestellt.

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