Lockdown-Kulturtipp: "Gott ist nicht schüchtern" am Petersplatz

Aktuelle Dramatisierung eines Romans von Olga Grjasnowa ab Donnerstag im Stream

Auch die Freie Theaterszene stöhnt unter dem Lockdown. Aber sie ist nicht untätig. Am Donnerstag um 19 Uhr schaltet etwa das Wiener Werk X-Petersplatz seine Dramatisierung des großteils im syrischen Bürgerkrieg spielenden Romans "Gott ist nicht schüchtern" von Olga Grjasnowa frei. Die 100-minütige Aufführung, die für eine Woche kostenlos on demand verfügbar ist, konfrontiert einen mit den Erlebnissen zweier junger Syrer zu Beginn des Aufstands gegen das Assad-Regime.

Die Schauspielerin Amal gerät durch ihre Teilnahme an Demonstrationen in Damaskus ins Visier des Geheimdienstes, der Chirurg Hammoudi landet nach seiner Ausbildung in Paris in einem Untergrund-Spital in Deir ez-Zor, wo er in Operations-Marathons die Opfer der staatlichen Gewaltherrschaft behandelt. Lisa Körcher hat die Bühnenfassung des Romans besorgt, die mit zwei Schauspielern auskommt. Diana Kashlan, 1984 mit tschechisch-arabischen Wurzeln in Österreich geboren, und Johnny Mhanna, 1991 in Damaskus geboren und seit 2015 in Österreich, verkörpern dabei nicht nur die beiden Protagonisten, sondern auch eine Vielzahl weiterer Figuren - vom Medizinstudenten bis zum Folterknecht.

Susanne Draxler arbeitete in ihrer Inszenierung, die in der vergangenen Woche ihre "Presse-Premiere" feierte, heraus, dass Amal und Hammoudi aus einer gut ausgebildeten Mittelschicht stammen, einem "durchschnittlichen Theaterbesucher in Wien vermutlich gar nicht so unähnlich". Dennoch geraten sie in einen Alptraum, für den sie nichts können. (Stream ab 25.2., 19 Uhr: werk-x.at/premieren/gott-ist-nicht-schuechtern)

OE24 Logo
Es gibt neue Nachrichten