Logistik-Immos europaweit auf Expansionskurs

CBRE: Zahl der spekulativen Projektentwicklungen nimmt deutlich zu - In Wien, Graz und Linz sollen bis 2023 Flächen von rund 546.000 Quadratmetern entstehen

Coronapandemie und Brexit befeuern die Nachfrage nach Logistikimmobilien in Europa. Der Onlinehandel boomt und die Briten brauchen mehr Lagerflächen. Auch der Standort Österreich werde immer attraktiver, so das Immo-Consultingunternehmen CBRE. Grund dafür sei die zunehmende Zahl spekulativer Projektentwicklungen. An den drei großen heimischen Logistikstandorten Wien, Graz und Linz sollen bis 2023 für Fremdnutzer vorgesehene Flächen von rund 546.000 Quadratmetern entstehen.

In den vergangenen Jahren sei der österreichische Logistikmarkt noch primär von Eigennutzern geprägt gewesen, hielt der Consulter am Dienstag fest. "Der Flächenbedarf war bereits in der Vergangenheit hoch, allerdings fehlte bislang das entsprechende Angebot", so Franz Kastner, Teamleiter des Bereichs Industrial & Logistics bei CBRE Österreich. Die Immobilienentwickler erkennen aber seiner Meinung nach zunehmend das Potenzial des Logistikstandortes Österreich, "weshalb die Pipeline für Neuentwicklungen auf einem historischen Hoch ist".

Die starke Nachfrage habe bereits 2020 zu steigenden Mieten geführt - mit eklatanten Unterschieden, je nach Nutzung und Lage: Bei Objekten auf der letzten Meile innerhalb der Stadt sind laut CBRE Monatsmieten bis zu 20 Euro pro Quadratmeter möglich, klassische "Big Box"-Immobilien werfen deutlich weniger ab. Nur in absoluten Toplagen werde die Spitzenmiete für diese Flächen 2021 etwa 5,80 Euro pro Quadratmeter und Monat erreichen, erwarten die Marktexperten.

Corona und der EU-Austritt der Briten stimulierten die Nachfrage und gelten nach wie vor als "Treiber am europäischen Logistikimmobilienmarkt". Einer CBRE-Umfrage unter mehr als 100 europäischen Unternehmen aus den verschiedensten Branchen zufolge braucht fast die Hälfte (47 Prozent) der Betriebe langfristig flexible Lagerräume. Mehr als ein Drittel (36 Prozent) will seine Pläne rascher als ursprünglich angenommen umsetzen und neue Flächen anmieten - hauptsächlich wegen der erhöhten Nachfrage und des rasant wachsenden Onlinehandels. Die befragten Unternehmen gehören laut CBRE mit einem Volumen von insgesamt rund 40 Millionen Quadratmetern zu den größten Mietern von Logistikflächen in Europa. Die Bereitschaft, neue Logistikstandorte zu wählen, war bei den Onlinehändlern mit 46 Prozent am stärksten ausgeprägt - der Schnitt lag bei 44 Prozent.

Der Bedarf an urbanen Logistikzentren werde steigen, konstatierte CBRE. "Dieser Trend begründet sich in einer möglichst kurzen Lieferkette und -zeit zum Konsumenten, die nach wie vor die Entscheidung über den Logistikstandort am stärksten beeinflusst", so Kastner. Etwa 64 Prozent der Onlinehändler hätten angegeben, dem Bereich urbane Logistik eine hohe Priorität beizumessen.

Rund die Hälfte der Online-Retailer in Europa sind davon überzeugt, dass sie infolge des Brexits zusätzliche Logistikflächen in Großbritannien benötigen werden, etwa 40 Prozent gehen davon aus, dass sie auch im EU-Raum zusätzliche Flächen anmieten werden. "Wir erwarten als Konsequenz der starken Nachfrage bei Mietern eine ebensolche bei Investoren für die kommenden Monate", so Georg Fichtinger, Leiter des Bereichs Investment Properties bei CBRE Österreich. Als Top-Märkte im Fokus der befragten Unternehmen stehen Frankreich (25 Prozent), Deutschland (20 Prozent), Spanien (19 Prozent), Belgien (18 Prozent) und Tschechien (16 Prozent). CBRE rechnet laut Kastner auch für Österreich mit einer "weiterhin steigenden Nachfrage, wie sie sich bereits in den vergangenen Monaten abgezeichnet hat".

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