Menschenrechtler: Hunderte Festnahmen bei Protesten in Ägypten

Demonstrationen fanden vor rund einer Woche statt - Regierungskritische Kundgebungen eigentlich verboten

Bei regierungskritischen Protesten in Ägypten vor rund einer Woche sind laut einer Menschenrechtsorganisation rund 380 Menschen festgenommen worden. Etwa 60 von ihnen seien jünger als 18 Jahre, teilte die Egyptian Commission for Rights and Freedoms (ECRF) am späten Montagabend mit.

Die unabhängige Nachrichtenseite Mada Masr berichtete von insgesamt 400 Festnahmen bei kleineren Protesten in mehreren Provinzen des Landes. Vereinzelt sei es dabei auch zu Zusammenstößen mit Sicherheitskräften gekommen. Unabhängig bestätigen ließen sich die Zahlen nicht.

Regierungskritische Proteste sind in dem autoritär regierten Staat in Nordafrika äußerst selten. Faktisch sind Demonstrationen dort verboten, Oppositionelle werden verfolgt und abweichende Meinungen unterdrückt. Die Proteste vor gut einer Woche ereigneten sich am 20. September - genau ein Jahr nach größeren Demonstrationen gegen die Regierung von Präsident Abdel Fattah al-Sisi. Kritiker werfen ihm Korruption und Verschwendung öffentlicher Gelder vor.

Offizielle Stellungnahmen zu den Protesten gab es vergangene Woche zunächst nicht. Am Sonntag verkündete die Staatsanwaltschaft dann aber die Freilassung von 68 Minderjährigen, die in den Tagen zuvor an "Ausschreitungen" teilgenommen hätten. Präsident Sisi äußerte sich am Montag und dankte denjenigen, die den Aufrufen zu Demonstrationen nicht gefolgt waren. Es handle sich um "destruktive Forderungen von einigen, die die Lage in Ägypten anheizen" wollten.

Trotz wirtschaftlichen Wachstums fehlt es vielen Menschen in dem Wüstenland mit 100 Millionen Einwohnern am Nötigsten. Offiziellen Zahlen zufolge lebt ein Drittel der Bevölkerung in Armut. Die Corona-Pandemie hat die Lage weiter verschärft. Der Unmut der Ägypter ist nach Sparmaßnahmen der Regierung und Kürzungen bei Subventionen für Lebensmittel in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen.

Die Proteste vor einem Jahr wurden losgetreten durch Videos des im Exil lebenden ägyptischen Bauunternehmers und Schauspielers Mohammed Ali. Er hatte Sisi und der ägyptischen Armee, mit der er nach eigenen Angaben mehr als 15 Jahre zusammenarbeitete, in mehreren Videos auf Facebook Korruption vorgeworfen. Sisi hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Auch dieses Jahr hatte es im Internet Aufrufe zu Protesten gegeben.

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