Originale von umstrittenem Pernkopf-Atlas wieder an Med-Uni Wien

Wissenschaftsverlag Elsevier übergibt erhaltene Zeichnungen dem Josephinum zur Archivierung, Konservierung und zeithistorischen Forschung

Der Wissenschaftsverlag Elsevier hat Originalzeichnungen des umstrittenen "Pernkopf-Anatomieatlas" an das Josephinum, die Sammlungen der Medizinischen Universität Wien, übergeben. Zusätzlich fördert der Verlag die Digitalisierung, Erschließung und Katalogisierung des Bestandes mit 30.000 Euro, teilte die Uni am Dienstag mit. Als Vorlage für die Zeichnungen dienten aller Wahrscheinlichkeit nach hingerichtete Opfer der NS-Justiz.

Nach einer Anfrage der israelischen Gedenkorganisation Yad Vashem strengte die Universität Wien 1997 eine Untersuchung über ihre anatomische Wissenschaft in den Jahren 1938-1945 und speziell den "Pernkopf-Anatomieatlas" an. Dieses Lehrbuch wurde von Eduard Pernkopf (1888-1955) verfasst. Er war 1933 Leiter des zweiten anatomischen Instituts und wurde 1938 Dekan der medizinischen Fakultät und 1943 Rektor der Uni Wien. Schon früh engagierte er sich für den Nationalsozialismus und trat 1933 der NSDAP und 1934 der SA bei.

Die Untersuchung zeigte, dass das anatomische Institut in Wien die Körper von mindestens 1.377 hingerichteten Personen erhielt. Darunter waren auch viele Mitglieder des Widerstands gegen das NS-Regime. Der damalige Rektor der Uni Wien, Alfred Ebenbauer, entschuldigte sich bei den Opfern und 2002 wurden die sterblichen Überreste von Opfern der NS-Justiz, die an Instituten der Uni als medizinische Präparate gefunden wurden, bestattet.

2003 erwarb Elsevier den Verlag Urban & Fischer (ursprünglich Urban & Schwarzenberg), der den "Pernkopf-Atlas" herausgab, und damit auch die Originalzeichnungen und Publikationsrechte. Druck und Lizenzierung des umstrittenen Atlas, der lange Zeit als Standardwerk galt, wurden in der Folge aufgrund seiner Entstehungsgeschichte eingestellt. "Dennoch sind wir uns bewusst, dass die Zeichnungen für Wissenschafter von Bedeutung sind, insbesondere für solche, die im Bereich der Medizingeschichte und -ethik arbeiten", wird Nick Fowler von Elsevier in der Aussendung zitiert.

Mit der Übergabe an das Josephinum soll die fachgerechte Archivierung, Konservierung und Digitalisierung, sowie die Zugänglichkeit vor allem für die zeitgeschichtliche Forschung gewährleistet werden. "Als Nachlassverwalter der Pernkopf-Sammlung liegt es in unserer Verantwortung, Aufklärungsarbeit zu leisten und die schockierende Entstehungsgeschichte gemeinsam mit Historikern und Experten weiter offenzulegen", so Josephinum-Direktorin Christiane Druml. Im Fachjournal "Annals of Anatomy" ist nun ein Beitrag zu dem Thema erschienen.

(SERVICE - Internet: https://doi.org/10.1016/j.aanat.2021.151693)

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