Papst: "Virus legt unsere sozialen Schwachstellen bloß"

"Gesellschaft mit Respekt für Vielfalt ist viel resistenter"

Bei der Generalaudienz am Mittwoch hat der Papst erneut das Thema Coronavirus angesprochen. "Ein kleines Virus schlägt weiter tiefe Wunden, legt unsere physischen, sozialen und spirituellen Schwachstellen bloß. Es hat die große Ungleichheit, die auf der Welt herrscht, aufgedeckt: die Ungleichheit der Chancen, die Ungleichheit der Güter, Ungleichheit beim Zugang zur Gesundheitsversorgung, Ungleichheit der Technologie", so der Papst.

Diese Ungerechtigkeiten seien weder natürlich noch unvermeidlich. "Sie sind das Werk des Menschen, entspringen einem Wachstumsmodell, das keine Werte mehr kennt. Und so haben viele Menschen die Hoffnung verloren, Unsicherheit und Angst überhandgenommen", betonte der Papst bei der Generalaudienz im Damasus-Hof im Vatikan.

"Um die Pandemie hinter uns zu lassen, müssen wir also nicht nur ein Heilmittel gegen das Coronavirus finden, sondern auch für die großen menschlichen und sozioökonomischen Viren. Und wir können gewiss nicht erwarten, dass das Wirtschaftsmodell, das für eine ungerechte und nicht nachhaltige Entwicklung steht, unsere Probleme lösen wird", erklärte das Oberhaupt der katholischen Kirche. Die Menschheit brauche dringend eine gute Politik und eine Sozialordnung, die Teilhabe, Fürsorge und Großzügigkeit belohne und nicht Gleichgültigkeit, Ausbeutung und Eigeninteresse.

"Nur eine solidarische und gerechte Gesellschaft ist eine gesunde Gesellschaft. Eine Gesellschaft, die Teilhabe erlaubt, in der die 'Letzten' also genau so viel gelten wie die 'Ersten', stärkt die Gemeinschaft. Eine Gesellschaft, in der die Vielfalt respektiert wird, ist viel resistenter gegen jede Art von Virus", so der Papst.

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