Pensionen: IHS-Chef Kocher skeptisch - "Druck auf Finanzierbarkeit"

Wirtschaftsforscher hält Pensionsreform für nötig - Chef der Alterssicherungskommission warnt vor Aushöhlung des Versicherungsprinzips

IHS-Chef Martin Kocher sieht die Mittwoch von der Regierung beschlossene Pensionserhöhung skeptisch. Die Anpassung liegt in Summe über der Inflationsrate und kostet daher mehr als gesetzlich eigentlich vorgeschrieben. "Es erhöht natürlich weiter den Druck auf die langfristige Finanzierbarkeit", sagte Kocher am Mittwoch vor Journalisten. Bedenken kommen auch vom Vorsitzenden der Alterssicherungskommission der Regierung, Walter Pöltner.

"Es wird eine Pensionsreform geben müssen", betonte Kocher. Er warnte vor der "Illusion", das Pensionssystem durch eine immer stärkere Steigerung der Versichertenzahl finanzieren zu können. Dies sei in den letzten Jahren durch Zuwanderung und mehr Frauen am Arbeitsmarkt gelungen, aber: "Irgendwann werden wir sehen, dass die Demografie nicht mehr reichen wird. Dann ist es sehr spät für eine Reform."

Skeptisch beurteilt die aktuelle Pensionserhöhung neuerlich auch Pöltner - und zwar, weil kleinere Pensionen um bis zu 3,5 Prozent steigen, während Bezieher höherer Renten nicht einmal die Inflationsrate abgegolten bekommen. "Bei den Politikern steht die Vorstellung im Raum, dass hinter jeder kleinen Pension ein armer Mensch steht", so Pöltner. Tatsächlich hätten Kleinstpensionisten oft aber auch andere Einkünfte. Außerdem sieht er langfristig das Versicherungsprinzip gefährdet, wonach höhere Einzahlungen auch höhere Pensionen bewirken müssten. "Als einmalige Maßnahme ist das für jeden verkraftbar, aber nicht wenn das jedes Jahr passiert."

Eigentlicher Zweck der Pressekonferenz war die Präsentation einer Studie über verhaltensökonomische Anreize im Pensionssystem. Das sogenannte "Nudging" setzt auf psychologische Tricks statt Verbote und will so zu einem bestimmten Verhalten motivieren - in diesem Fall zu einem späteren Pensionsantritt. So schlägt das IHS vor, künftig nicht nur auszuweisen, wie viel die Frühpension kostet, sondern auch, wie viel das Weiterarbeiten bis 68 bringen würde. Außerdem könnte die neutrale "Korridorpension" in "Abschlagspension" umbenannt werden. Und auf dem Pensionskontoauszug könnten mittels Software "gealterte" Fotos die Versicherten dazu motivieren, über zusätzliche Altersvorsorge nachzudenken.

Erstellt wurde die Studie vom IHS im Auftrag der "Aktion Generationengerechtigkeit", einem vor einigen Jahren im Umfeld von Cartellverband und ÖVP gegründeten Verein, der u.a. ein höheres Pensionsalter fordert. Obmann Georg Feith übte ebenfalls Kritik an der aktuellen Pensionserhöhung. "Wenn man das zehn Jahre fortsetzen würde, würde man die gehobenen Pensionen um zehn Prozent kürzen." Er sieht darin den Abgang von einem Versicherungssystem hin zu einer Volkspension. "Das kann man machen, aber nicht ohne einer zweiten und dritten Säule", plädierte er für mehr private Vorsorge.

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