Protestaktionen zur Vollversammlung von Deutscher Bischofskonferenz

Verbände prangern Umgang mit Missbrauch in Kirche an und fordern Reformen - Papst ruft Bischöfe zu Vergebung auf und warnt vor Konflikten

Zum Start der digitalen Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz hat es am Dienstag im ganzen Land Protestaktionen gegeben. Vor dem Kölner Dom wird drei Tage lang die Großplastik "Der Eichelbischof" des Düsseldorfer Künstlers Jacques Tilly ausgestellt, welche "die negativen Auswirkungen der kirchlichen Sexualmoral" darstellen soll, wie die Organisatoren mitteilten. Die provokante Skulptur war bereits am Rosenmontag in Düsseldorf zu sehen gewesen.

Organisiert wurde die Aktion auf der Kölner Domplatte von der Giordano-Bruno-Stiftung sowie mehreren Betroffenenverbänden wie dem Eckigen Tisch. Zusätzlich wird in der Domstadt die Kunstinstallation "Die lange Bank des Missbrauchsskandals" gezeigt. Das Kunstwerk ist laut Veranstalter eine Anspielung auf das Versprechen des Missbrauchsbeauftragten der Bischofskonferenz, Stephan Ackermann, nichts auf die lange Bank schieben zu wollen.

In ganz Deutschland wollen Anhängerinnen der Bewegung Maria 2.0 zudem mit sieben Thesen an Dom- und Kirchentüren auf ihre Forderungen nach Kirchenreformen aufmerksam machen. Mit ihrem "Thesenanschlag", eine Referenz an den Kirchenreformer Martin Luther, fordern die Katholikinnen unter anderem eine geschlechtergerechte Kirche, die Aufklärung und Bekämpfung der Ursachen von sexualisierter Gewalt sowie die Aufhebung des Pflichtzölibats.

"Dass Luther seine Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg genagelt haben soll, ist wohl eher eine Legende, aber seine Thesen haben etwas Großes in Bewegung gesetzt", heißt es in einer Erklärung von Maria 2.0. Dasselbe Ziel habe die Reformbewegung mit ihrer Protestaktion "Thesenanschlag 2.0".

In ihrer ersten digitalen Vollversammlung wollen die 68 Mitglieder der Bischofskonferenz über den Missbrauchsskandal und auch über das Problem der Kirchenaustritte beraten. Im vergangenen Jahr mussten die Bischöfe so viele Kirchenaustritte wie noch nie melden, aktuell treten im stark in der Kritik stehenden Erzbistum Köln besonders viele Katholiken aus.

Papst Franziskus schickte der Bischofskonferenz indes eine Aufforderung zur Vergebung. Der Apostolische Nuntius, Erzbischof Nikola Eterovic, warnte in einem Schreiben an die deutschen Bischöfe vor der negativen Kraft von Konflikten. Er spielte damit auf das Zerwürfnis der Bischöfe in der Frage der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen an. Der Kritik an der Diözese Köln und Kardinal Woelki hatte sich auch der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Georg Bätzing, angeschlossen. Der Bischof von Limburg hatte Woelki offen Fehler vorgeworfen.

Die Bischofskonferenz veröffentlichte das Grußwort des Papstes direkt vor Beginn der Versammlung. "Jede Art von Bitterkeit und Wut und Zorn und Geschrei und Lästerung mit allem Bösen verbannt aus eurer Mitte - seid gütig zueinander, seid barmherzig, vergebt einander, wie auch Gott euch in Christus vergeben hat", heißt die zitierte Stelle aus Paulus' Brief an die Epheser.

Diese Worte würden für alle Christen gelten "und damit auch für die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz", schrieb der vom Papst als Vertreter nach Deutschland entsandte Erzbischof. Dabei schrieb er mit Blick auf die Corona-Pandemie und deren Folgen für die Kirche, aber auch mit Blick auf sexuellen Missbrauch und der fortdauernden Kirchenaustritte: "Auch die katholische Kirche in Deutschland befindet sich in einer Krise."

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