Schwedische Behörde prüft Fund zum "Estonia"-Untergang

Dokumentarfilmer entdeckten mit Tauchroboter Loch im Rumpf

Nach einem aufsehenerregenden Fund zum verheerenden Untergang der Ostsee-Fähre "Estonia" prüft eine schwedische Behörde einem Medienbericht zufolge die neuen Erkenntnisse. Die staatliche Havariekommission habe eine Überprüfung der Informationen zu einem Loch im Rumpf des Wracks eingeleitet, berichtete die schwedische Zeitung "Aftonbladet" am Mittwoch. Die schwedischen Behörden führten nun Gespräche mit ihren Kollegen in Estland und Finnland.

Die Kommission äußerte sich dazu zunächst nicht. Der schwedische Regierungschef Stefan Löfven versicherte am Mittwoch, die neuen Informationen ernst zu nehmen. Zunächst müssten sich die fachkundigen Behörden die neuen Aufnahmen anschauen, sagte er vor Reportern in Stockholm. Angesichts von Vorwürfen, Schweden sage in dem Fall nicht die Wahrheit, machte er zugleich klar: "Schweden lügt nicht über den 'Estonia'-Untergang." Es sei wichtig, in der Hinsicht zusammenzuarbeiten.

Dokumentarfilmer hatten mit Hilfe eines Tauchroboters ein vier Meter großes Loch im Wrack der 1994 gesunkenen "Estonia" gefunden. Das hatten sie am Montag im Zuge der Veröffentlichung einer Doku-Serie über den Untergang enthüllt. Die Außenminister aus Finnland, Estland und Schweden hatten daraufhin erklärt, eine mögliche Untersuchung solle gemeinsam stattfinden.

Der Untergang der Fähre gilt als die schwerste Schiffskatastrophe in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Die "Estonia" war in der Nacht auf den 28. September 1994 mit 989 Menschen an Bord auf ihrem Weg von Tallinn nach Stockholm vor der Südküste Finnlands gesunken. 852 Menschen starben dabei. Dem offiziellen Untersuchungsbericht aus dem Jahr 1997 zufolge war das abgerissene Bugvisier die Ursache für den Untergang.

Dennoch wird bis heute über die Ursache des Unglücks spekuliert. Überlebende und Hinterbliebene fordern seit langem, dass die Untersuchungen wieder aufgenommen werden. Der frühere estnische Staatsanwalt und "Estonia"-Ermittler Margus Kurm hatte zuletzt in einem Interview gesagt, die neuen Informationen deuteten darauf hin, dass die Fähre wahrscheinlich aufgrund eines Zusammenstoßes mit einem U-Boot gesunken sei.

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