Wahlen in Uganda - Corona-Pandemie lässt Armut ansteigen

ADA-Büroleiterin: Bisher wurde Pandemie recht gut bewältigt - Hohes Bevölkerungswachstum drückt auf den Arbeitsmarkt

Uganda gilt als eines der ärmsten Länder der Welt, 21 Prozent der Menschen leben unter der nationalen Armutsgrenze. Laut Weltbank könnten aufgrund der Covid-19-Pandemie weitere 3,15 Millionen der 44,5 Millionen Einwohnern zusätzlich in die Armut abrutschen. Dennoch habe das ostafrikanische Binnenland die Pandemie bisher recht gut bewältigt, sagt Roswitha Kremser, die Büroleiterin der Austrian Development Agency (ADA) in Ugandas Hauptstadt Kampala im APA-Interview.

Uganda habe aus der erfolgreichen Bekämpfung des Ebola-Virus gelernt, meint Kremser. Dennoch sei die Situation in Uganda nicht mit jener in Europa vergleichbar. Zwar gebe es Unterstützung durch den Internationalen Währungsfonds und die Weltbank, doch "leider nicht so robuste Hilfen wie in der EU mit ihren Finanzspritzen". Seit Ausbruch der Pandemie habe es 37.800 positive Corona-Testungen gegeben, knapp über 300 Corona-Infizierte seien bisher gestorben. Der Wahlkampf für die Präsidentschafts-, Parlaments- und Gemeindewahlen am Donnerstag "bleibt aber eine mögliche potenzielle Quelle für einen Anstieg", so Kremser, denn Schutzmaßnahmen seien hier kaum eingehalten worden.

Überhaupt sei Uganda 2020 hart getroffen worden, von einer der schlimmsten Heuschreckenplantage in Ostafrika seit 60 Jahren, aber auch von den Auswirkungen des Klimawandels. So habe der Victoriasee noch immer einen Wasserhöchststand, zahlreiche Restaurants am See seien seit Monaten überschwemmt, so Kremser. Die Armut, die Heuschreckenplage und die Überschwemmungen seien auch im Wahlkampf stark diskutiert worden. "Die nächste Regierung muss sich diesen Themen schnell annehmen", konstatiert Kremser.

Die Hauptaufgabe der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit liege in der Armutsbekämpfung. Zwar sei sie von der wirtschaftlichen Situation anfangs "positiv überrascht" gewesen, das Problem sei aber das hohe Bevölkerungswachstum. "Uganda hat nach Niger das weltweit zweithöchste Bevölkerungswachstum. Jedes Jahr müssten deshalb über 600.000 neue Jobs geschaffen werden", erläutert Kremser. Die Regierung habe zwar verschiedene gute Ansätze in der Wirtschaftspolitik und verfolge auch eine Industrialisierungsstrategie, ausreichende Jobs für die vielen jungen Leute, die in den Arbeitsmarkt drängen, könnten aber nur in der Landwirtschaft geschaffen werden, so Kremser.

Außerdem seien 1,4 Millionen Flüchtlinge, vor allem aus dem Südsudan, der Republik Kongo und Burundi im Land. Hier sei Uganda noch "immer ein Vorzeigeland", Flüchtlinge können sich im Land ansiedeln und sogar arbeiten. Sogar nach Ausbruch der Pandemie sei es Flüchtlingen mit Hilfe der UNO nach einer negativen Corona-Testung ermöglicht worden, einzureisen, so Kremser. Spannungen zwischen der ugandischen Bevölkerung und Flüchtlingen versuche man in der Entwicklungszusammenarbeit zu vermeiden, indem man auch ugandische Dörfer an den Projekten für Flüchtlinge proportional beteilige.

Seitens der Österreichischen Entwicklungshilfezusammenarbeit setze man außerdem sehr darauf, die Situation der Frauen zu verbessern, die Opfer sexueller Gewalt wurden. Außerdem versuche man, marginalisierten Gruppen den Zugang zum Justizsystem zu ermöglichen, betont Kremser. Seit Jahrzehnten habe man zudem sehr viel Arbeit in die Ausbildung von Journalisten investiert. Nun gebe es sehr viele professionelle Journalisten im Land und eine recht ausgewogene und "lebhafte Berichterstattung".

Uganda ist seit 1992 ein Schwerpunktland der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. Schon seit 1986 ist Präsident Yoweri Museveni an der Macht, bei der Präsidentschaftswahl am Donnerstag kandidiert der 76-Jährige erneut.

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