Zinslast in Deutschland wird 2020 auf Rekordtief fallen - Insider

Zinsausgaben dürften sich auf 5 bis 6 Mrd. Euro summieren - Milliarden-Puffer für Finanzminister Scholz

Die deutsche Regierung muss für ihre Schulden immer weniger Zinsen zahlen und wird Insidern zufolge auch 2020 deutlich unter den eigenen Planungen bleiben. Die Zinsausgaben dürften sich lediglich auf fünf bis sechs Milliarden Euro summieren, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag aus Koalitions- und Regierungskreisen.

Zwar seien es Ende August noch 6,8 Milliarden Euro gewesen, doch dank negativer Zinsen bei Emissionen neuer Anleihen sei bis zum Jahresende ein Betrag von unter sechs Milliarden Euro wahrscheinlich.

Damit würden die Zinsausgaben des Bundes auf ein neues Rekordtief fallen. Früher waren für den Bund hier Belastungen von 40 Mrd. Euro im Jahr üblich. Nun nähert sich der Wert immer mehr dem Punkt an, an dem der Bund insgesamt mit seinen Schulden Geld verdienen würde. Hauptgrund ist dabei die seit Jahren ultra-lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Das Finanzministerium kalkuliert im Haushalt für 2020 mit Zinsausgaben in Höhe von 9,6 Mrd. Euro, nachdem es 2019 rund zwölf Milliarden waren. Im Haushaltsentwurf für 2021 wird von 9,8 Mrd. Euro ausgegangen.

Ein Sprecher des Finanzministeriums wollte sich nicht zu den Reuters-Informationen äußern.

Mit den deutlich niedrigeren Zinsausgaben würde Finanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz einen Puffer bekommen, um Haushaltslöcher zu stopfen. Denn der Bund hat wegen der immensen Folgen der Coronapandemie 2020 so viele neue Schulden aufgenommen wie noch nie zuvor - rund 218 Mrd. Euro. Für 2021 plant Scholz eine Neuverschuldung von gut 96 Mrd. Euro.

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