Auch nach Bluttat in Kottingbrunn

18. Frauenmord: Ministerium versteckt brisante Studie

Erneut wurde eine Frau und ihre beiden erst zwei und elf Monate alten Kinder erstochen: Die Bluttat in Kottingbrunn ist der 18. Frauenmord in 10 Monaten - trotzdem bleibt eine Studie unter Verschluss.

Bereits kurz nach einer blutigen Mordserie am Beginn dieses Jahres gab das Innenministerium unter Herbert Kickl (FPÖ) eine Studie in Auftrag: Eine Screening-Gruppe der Exekutive sollte mit zusätzlicher professionellster Hilfe der Universität Wien sämtliche Morde und Mordversuche an Frauen ab dem Jahr 2018 genau untersuchen. Kickl sagte damals zu ÖSTERREICH: "Es soll genau erhoben werden, wer was wann wo wie womit und warum getan hat. Mit den Ergebnissen sollen Muster abgeleitet werden. Vielleicht können manche Gewalttaten in Zukunft verhindert werden."

© APA/HERBERT NEUBAUER

Studie zu Morden seit Monaten fertig

Der Crash der türkis-blauen Bundesregierung kam schneller als das Ergebnis der Studie, die im Spätsommer mit allen wichtigen Ergebnissen im Innenministerium vorlag. Seitdem wird sie vom Übergangs-Innenminister zurückgehalten und vor der Öffentlichkeit versteckt. Auf konkrete Nachfrage bei einer Pressekonferenz des Generaldirektors für öffentliche Sicherheit Anfang September, wann die wichtige Studie nun endlich präsentiert werde, hieß es: "Im Herbst, vermutlich kurz nach der Wahl." Jetzt sollen die Ergebnisse der Screening-Gruppe "im November" veröffentlicht werden.

Die Statistik der Justiz zeigt nur, dass im Vorjahr von den 83 wegen Mordes verurteilten Menschen 74 Männer und nur neun Frauen waren, von 79 Mord-Tatverdächtigen waren etwas weniger als die Hälfte (38) Nicht-Österreicher.

Übergangs-Innenminister unter Druck

Nach dem erneuten Frauenmord in Kottingbrunn ist die von Herbert Kickl in Auftrag gegebene Expertise aber noch immer unter Verschluss, die Öffentlichkeit durfte bisher über die Täter und ihre Motive nichts erfahren, es können auch keine Gewaltpräventions-Maßnahmen auf Basis des neuen Wissens gesetzt werden. Der Ruf der Übergangsregierung wird mit dieser Vorgangsweise nicht besser: Immerhin steht der Vorwurf im Raum, wichtige Informationen für die Sicherheit der österreichischen Frauen zurückzuhalten. Aus welchen Gründen auch immer.

Richard Schmitt

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