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Hintergrund

Entführer machen mit zweitem Lebenszeichen Druck

Da innerhalb von nur einer Woche zwei Videos mit den Geiseln aufgetaucht sind, kann man davon ausgehen, dass hinter den Kulissen verhandelt wird.

Jede Regierung versucht ja das Leben ihrer Staatsbürger zu retten. Das zweite Video kann ein Signal der Entführer sein. Zum Beispiel, dass seit dem ersten Video die Verhandlungen ins Stocken geraten sind und die Regierung einen weiteren Lebensbeweis der Geisel verlangte.

Normalerweise werden diese Videos von professionellen Kameramännern aufgenommen, die fast ausschließlich für solche Terrorbanden arbeiten. Danach werden Medien angerufen, es wird ihnen erklärt, dass es ein Video von Geiseln gibt, und es wird ihnen erklärt an welcher Straße, in welchem Mistkübel diese Bänder zu finden sind.

Im Film erkennt man, dass die Geiseln an verschiedenen Orten aufgenommen worden sind. Das muss nicht bedeuten, dass sie getrennt wurden. Es kann ein einfaches Täuschungsmanöver sein. Die Geiseln bleiben aber sicherlich nicht die ganze Zeit an einem Ort. Aus Angst vor Razzien fahren die Entführer mit ihren Geiseln regelmäßig von ort zu Ort um unentdeckt zu bleiben.

Die Verhandlungen
Es sprechen Unterhändler von Unterhändlern mit Unterhändlern von Unterhändlern. Der Grund: Weil die amerikanischen und die britischen Besatzungstruppen solche Verhandlungen verbieten. Wer also im Irak solche Verhandlungen führt hat nicht nur die Kidnapper als Gegner, sondern dann auch die Briten und Amerikaner. Deswegen muss man mit Unterhändlern arbeiten, damit die Besatzer nichts davon mitbekommen. Der Dialog läuft zum Beispiel über Exil-Iraker in Österreich oder, da es sich um den Südirak handelt auch über Iraner

Lösegeld
Bei den Verhandlungen wird das Thema Geld sehr schnell angesprochen. Wir sprechen hier von Summen im bereich 10. Millionen bis 20 Millionen Euro. Manchmal werden sogar noch Kosten für Kost und Logis dazugerechnet. Ausbezahlt wird dann eine Summe die hoch ist aber weit darunter liegt. Im Regelfall beläuft es sich dann auf zirka 5 Millionen Euro pro Geisel. Das ist fast ein europäischer Standard.

Ausschließen kann man politische Motive bei einer solchen Geiselnahme nie. Aber für politische Forderungen wäre eine Geiselnahme wahrscheinlich das falsche Instrument. Vor allem: Was soll denn Österreich an der Lage im Irak ändern können? Es geht fast sicher alleine um das Geld.

Die Kidnapper brauchen das Geld um ihre Infrastruktur aufrecht zu halten. Sie bezahlen damit ihre Leute: Ihre Killer, ihre Informanten, ihre Fahrer. Man besticht damit Polizisten - Krieg kostet eben viel Geld. Wenn sich der österreichische Staat entscheidet auf die Forderungen einzugehen, ist es schon bald Zeit für die Übergabe. Nach zwei Videos hat die Regierung sicher bereits die Information wie viel Geld wohin gebracht werden soll.

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