Erzbischof erteilt Schwulem Segen

„War beeindruckt“

Erzbischof erteilt Schwulem Segen

Dank Erzbischof Schönborn darf Florian Stangl nun doch in den Pfarrgemeinderat. Am gestrigen Palmsonntag erklärt Schönborn, warum.

90 Prozent der Stimmen bei den Pfarrgemeinderatswahlen in Stützenhofen (NÖ), aber kein Sanktus von Pfarre und Diözese. Die vermeintliche Ausgrenzung des homosexuellen Pfarrgemeinderats Florian Stangl (26), der seit 2010 in einer eingetragenen Partnerschaft mit dem sieben Jahre älteren Alexander lebt, spaltete zuletzt das katholische Land und die Öffentlichkeit.  
Entscheidung bei einem persönlichen Mittagessen
Jetzt nahm sich Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn der Sache an und sprach ein Machtwort: Der Pfarrgemeinderat müsse die Voraussetzungen für eine Kandidatur schaffen, er dürfe seinen Job doch antreten und das Ergebnis werde bestätigt, heißt es  von oberster Stelle.
In der ORF-Pressestunde am Palmsonntag erklärte Schönborn nun die Gründe, warum er dem Homosexuellen eine Woche vor Ostern seinen „Segen“ gegeben hat (siehe auch rechts). Entscheidend sei ein persönliches Mittagessen mit dem jungen Mann und dessen Partner gewesen. „Ich wusste nicht, wie alt er ist, wer er ist, aber ich habe mir dann gedacht, ich möchte ihn kennenlernen“, sagte Schönborn im ORF über seine Beweggründe für das Treffen.
Schönborn: „Müssen zuerst auf Menschen schauen“
Der 26-jährige Stangl, der für die Caritas mit Kindern arbeitet und in der Freizeit mit Alexander gerne ins Kino oder ins Theater geht, hat ihn offensichtlich überzeugt. „Ich war von Florian Stangl menschlich, persönlich und christlich beeindruckt. Er ist ein gläubiger, engagierter, bescheidener und wirklich liebenswürdiger Mann. Wir müssen zuerst auf den Menschen schauen“, so die ehrliche Worte von Schönborn.
Stangl selbst hatte damit natürlich nicht gerechnet. „Erwarten konnte ich es nicht, aber ich war gespannt, was herauskommen wird und freue mich über das Ergebnis.“ Die Stellungnahme Schönborns lasse ein bisschen auf eine Öffnung für alternative Lebensweisen schließen. „Ich hoffe, dass es in diese Richtung geht“, so Stangl. 

Der Kardinal im Wortlaut:

Ich verstehe, dass sich Gläubige und Menschen im Allgemeinen nicht leicht damit tun. Wie ich gehört habe, da ist ein Kandidat, der in einer eingetragenen Partnerschaft ist, hab ich gesagt, das geht eigentlich nicht, das ist nicht kompatibel. Pfarrgemeinderäte haben sich an Lehren und Disziplin der Kirche zu halten. Ich habe dem Pfarrer recht gegeben, habe aber dann doch gedacht, ich möchte diesen jungen Mann kennenlernen und habe ihn zum Mittagessen eingeladen. Er hat seinen Lebensgefährten mitgebracht. Ich war von Florian Stangl menschlich, persönlich und christlich beeindruckt. Er ist ein gläubiger, engagierter, bescheidener und wirklich liebenswürdiger Mann. Es geht doch von Jesus her gesehen zuerst einmal um den Menschen: Wir müssen zuerst auf den Menschen schauen und dann habe ich mich entschieden. Ich verstehe, warum ihm die Gemeinde Stützenhofen die meisten Stimmen gegeben hat. Ich weiß, von der Regel her gesehen ist es problematisch. Ich stelle mich hinter ihn. Dieser junge Mann ist da am richtigen Platz, auch wenn es Kontroversen gibt. Das war eine persönliche Entscheidung, zu der ich stehe.

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