Algerier zündete Zelle an, weil keiner Arabisch sprach

Mittelfinger-Auftritt

Algerier zündete Zelle an, weil keiner Arabisch sprach

"Die Insassen haben kein Wort Arabisch geredet. Ich wollte nicht dortbleiben" - mit diesen Worten hat am Donnerstag ein Häftling der Justizanstalt (JA) Wien-Josefstadt erklärt, weshalb er seinen Haftraum in Brand setzte. Das Feuer hätte die drei Zellengenossen des Algeriers beinahe das Leben gekostet. Die Verhandlung im Wiener Landesgericht machte deutlich, dass das dem 32-Jährigen bewusst war. Die angezündete Zelle wurde komplett zerstört. Sachschaden: 50.000 Euro.

Am Donnerstag gab es kein Urteil in der Verhandlung. Nach der Einvernahme der verletzten Mitgefangenen und zahlreicher Justizwachebeamter wurde die Verhandlung auf den 12. Mai vertagt. Das Gericht will auch noch zwei Beamte hören, die keine Zeugenladung erhalten hatten.

Auf die Frage des Richters, ob die Situation lebensbedrohlich gewesen sei, meinte der 32-Jährige: "Stellen Sie die Frage so, dass ich antworten kann." Richter Christian Noe legte mit einer "verbesserten" Fragestellung nach, worauf der Angeklagte antwortete: "Ich habe gewusst, dass das eine gefährliche Situation ist. Aber ich war mir sicher, dass die kommen werden. Die lassen uns nicht sterben."

Der Nordafrikaner hält sich eigenen Angaben zufolge seit elf bis zwölf Jahren in Europa auf und war 2013 nach Österreich gekommen. Nach einem negativen Asylbescheid und drei Vorstrafen sollte er abgeschoben werden. Im Polizeianhaltezentrum (PAZ) fiel er durch aggressives Verhalten auf und sollte, nachdem er einen Putzkübel zertrümmert hatte, in eine besonders geschützte Zelle verlegt werden. Dagegen wehrte er sich, indem er um sich schlug und einen Polizisten zu Boden brachte. Danach schlug er auf den Beamten ein.

Daraufhin wurde der Algerier in die JA Josefstadt verlegt, wo am 15. Oktober 2016 über ihn die U-Haft wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und Körperverletzung verhängt wurde. Die Zelle, in die er zunächst kam, passte ihm nicht. "Das Zimmer hat mir nicht gefallen. Die anderen haben gebetet in dem Zimmer", erläuterte er dem Gericht. Die JA verlegte den 32-Jährigen am folgenden Tag in eine Vier-Mann-Zelle. Auch dort fühlte er sich nicht wohl: "Ich konnte mich mit ihnen nicht verständigen." Dass die Zellengenossen des Mannes ihm Zigaretten schenkten und ihm Essen überließen, änderte nichts daran, dass er auf der Stelle in einen anderen Haftraum übersiedeln wollte. Um seinem Wunsch Nachdruck zu verleihen, zertrümmerte er kurzerhand ein Fernseh- und ein Radiogerät.

Als ihm die Justizwache klar machte, dass es spät am Abend sei und er jedenfalls die Nacht über in der Zelle bleiben müsse, sei er "wie ein Verrückter herumgegangen. Ich wollte mit allen Mitteln verlegt werden", erklärte der Angeklagte. Deswegen habe er seine Matratze mit einem Feuerzeug angezündet und die drei Mitgefangenen daran gehindert, die Flammen zu löschen, indem er sich mit zwei Speisemessern bewaffnete und die anderen Männern bedrohte. Die Flammen breiteten sich rasch aus. "Ein kleines Zimmer und ein Riesenfeuer. Ich wollte die Wachebeamten auf mich aufmerksam machen", gab der Algerier zu Protokoll. Es sei "ein bisschen Rauch" in der Zelle gewesen, "aber ich wollte niemanden verletzen. Meine Absicht war, dass ich verlegt werde."

Erst als sich derart dichter Rauch ausgebreitet hatte, dass man kaum mehr etwas sehen konnte, gelang es einem der Zellengenossen, den Alarmknopf zu drücken. Als sich ein Wachebeamter über die Sprechanlage meldete und fragte, was los sei, feixte der Algerier: "Was ist los, was ist los? Kartoffel mit Soße." Das sei "der eine Satz, den ich hier in Österreich gelernt habe", gab er dazu auf Befragen des Vorsitzenden an.

Schließlich rückte die Betriebsfeuerwehr an und dämmte die Flammen ein. Die drei Mitgefangenen des Algeriers wurden schwer verletzt. Einer erlitt ein massives Inhalationstrauma und Verbrennungen zweiten und dritten Grades. Ein weiterer trug ein posttraumatisches Belastungssyndrom davon, das einer schweren Körperverletzung gleichzusetzen ist. Elf Justizwachebeamte erlitten Rauchgasvergiftungen und mussten vorübergehend im Spital behandelt werden. Der Algerier selbst blieb unverletzt - er hatte während des Brandes im Nassbereich der Zelle den Kopf immer wieder unter fließendes Wasser gehalten.

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