Aufstand der Pfarrer

Kirchen-Streit

Aufstand der Pfarrer

Priester verweigern der katholischen Kirche den Gehorsam.

„Es gibt einen Reformstau in der katholischen Kirche. Nur wer sich verändert, lebt lebendig“, sagt Josef Wilfing, Pfarrer der steirischen Gemeinde Hausmannstätten.
Wilfing ist einer von 300 Geistlichen in ganz Österreich, die den „Aufruf zum Ungehorsam“ der Pfarrer-Initiative unterstützen. In einem 7-Punkte-Katalog fordert die Bewegung, an deren Spitze der frühere Wiener Generalvikar Helmut Schüller steht, etwa das Ende des Zölibats, die Priesterweihe von Frauen und Laien als Prediger. Sie befürworten auch, dass die Kommunion an Geschiedene gespendet wird. Schüller:  „Wir sind dazu gezwungen, die Unzufriedenheit ist zu groß“.

Kein Kompromiss in Sicht.
Die Forderungen der 300 Pfarrer (siehe pfarrer-initiative.at) sind nicht neu und werden in „einigen Pfarren bereits gelebt“, wie der Schwechater Pfarrer Gerald Gump gegenüber ÖSTERREICH erklärt.
Trotzdem hat der Aufschrei in dieser Form und Tonalität einen innerkirchlichen Konflikt nach sich gezogen. Als einer der Ersten fand Bischof Egon Kapellari harte Worte: „Der Aufruf gefährdet die Einheit der katholischen Kirche.“ Vergangene Woche bat dann auch Kardinal Christoph Schönborn die Initiatoren zum Gespräch – und zeigte wenig Verständnis. Schüller: „Der Kardinal hat sich höflich unsere Sichtweise angehört, passiert ist aber bisher noch nichts. Er hat uns klar zu verstehen gegeben, dass er unsere Anliegen nicht teilt und unsere Linie auch in Rom nicht vertreten wird.“

Trennen sich die Wege?
Im Herbst folgt das zweite Gespräch, bis dahin sollen sich die Pfarrer Gedanken über grundlegende Themen der Kirche machen, aber: „Wir halten an unserer Linie fest, ich nehme keine der Forderungen zurück“, sagt Schüller. Aus dem Büro von Kardinal Schönborn heißt es zu ÖSTERREICH: „Es geht darum, die Bewegung vom Reformkurs der Erzdiözese zu überzeugen. Gelingt das nicht, muss sich jeder Einzelne seinen weiteren Weg in der katholischen Kirche überlegen.“
Droht Schüller & Co. gar der Rauswurf aus der Kirche? „Nein, von Exkommunikation ist nicht die Rede“, sagt das Schönborn-Büro. Dass die katholische Kirche aus Reform-Unwillen aber demnächst weitere Priester verliert, ist möglich. Denken will daran vorerst keiner.

ÖSTERREICH: Sie stehen an der Spitze der Pfarrer-Initiative. Warum das Ganze?
Helmut Schüller: Ich schätze, dass bereits zwei Drittel von insgesamt rund 2.000 Pfarrern in Österreich nach unserem Leitbild agieren. Aber trotzdem ist die Unzufriedenheit unter den Geistlichen groß. Es werden Pfarren zusammengelegt, aber die Zeit läuft uns davon. Wir sind zu dieser Initiative gezwungen. Der Aufruf ist ein Aufruf, konkret zu handeln.

ÖSTERREICH: Wie war die Reaktion der Bischöfe?
Schüller: Wir haben alle Bischöfe darüber informiert. Viele hatten ein offenes Ohr, aber sie sind gegen Reformen. Einige von ihnen wollten nicht einmal mit uns reden.

ÖSTERREICH: Wie beurteilen Sie das Gespräch mit Kardinal Christoph Schönborn?
Schüller: Er hat uns klar zu verstehen gegeben, dass er unsere Anliegen nicht teilt und sie auch nicht in Rom vertritt. Wir haben einen Fragenkatalog zu grundlegenden Themen der katholischen Kirche erhalten. Im Herbst gibt es ein weiteres Gespräch. Ich halte an meinem Kurs aber fest und nehme keine Forderung zurück.

 

ÖSTERREICH: Warum unterstützen Sie den „Aufruf zum Ungehorsam“?
Josef Wilfing: Es gibt einen Reformstau in der katholischen Kirche. Die zentrale Frage ist, wie geht es weiter? Denn wer sich nicht verändert, lebt nicht.

ÖSTERREICH: Was stört Sie in Ihrer Tätigkeit als Pfarrer?
Wilfing: Ich habe den Eindruck, dass das Amt im Vordergrund steht und nicht das Prophetische. Ich habe Sorge darum, dass unsere zentralen Inhalte nicht richtig verkündet werden, nicht ankommen.

ÖSTERREICH: Wie kann das verbessert werden?
Wilfing: Die Buntheit macht die Kirche aus, deshalb unser Forderungskatalog. Uns geht es um eine fruchtbare Spannung in der katholischen Kirche. Viele Leute ärgert, dass sich nichts ändert. Deshalb ist es wichtig, dass die Leute erkennen, dass wir die Veränderung tatsächlich wollen.

ÖSTERREICH: Wie sehen Sie die Abneigung der Bischöfe?
Wilfing: Die Bischöfe haben eine große Verantwortung und die Pflicht, sich mit dem Problem auseinanderzusetzen.

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