Experte:

Deutscher Soldat plante Blutbad in Wien

Experte: "Terror-Gefahr auch in Österreich hoch"

Es ist ein Plan wie aus einem Hollywood-Thriller: Ein deutscher Soldat soll einen blutigen Terror-Anschlag geplant und dafür eine schussbereite Waffe tagelang am Wiener Flughafen deponiert haben.

Um von sich abzulenken, hatte sich der 28-jährige Oberleutnant bereits im Dezember 2015 mit falschen Papieren in einer deutschen Flüchtlingsunterkunft einquartiert – er wollte seinen rechten Terror offenbar Asylwerbern in die Schuhe schieben. Erst in letzter Sekunde waren österreichische und deutsche Ermittler dem Mann und seinem 24-jährigen Komplizen auf die Spur gekommen.

  • Dezember 2015: Ohne ein Wort Arabisch zu sprechen, meldet sich der Terrorverdächtige im Erstaufnahmezentrum als Flüchtling an.
  • Jänner 2016: In Bayern stellt der Deutsche einen Asylantrag, wird danach einer Unterkunft zugeteilt und erhält finanzielle Zuwendungen. Monatelang pendelte der Mann, der im französischen Illkirch im Jägerbataillon 291 diente, zwischen Deutschland und Frankreich. "Er führte eine Art Doppelleben", sagt Nadja Niesen von der Staatsanwaltschaft Frankfurt.
  • 20. Jänner 2017: In einem öffentlich zugänglichen Bereich des Wiener Flughafens deponiert der Deutsche eine geladene Waffe. Unbemerkt von den Behörden, schussbereit.
  • 3. Februar: Erst, als der 28-jährige Deutsche die 7-mm-Pistole wieder aus dem Putzschacht der Toilette holen will, fliegt er auf: Österreichische Beamte nehmen den Oberleutnant fest, zeigen ihn wegen unerlaubten Waffenbesitzes "nur" auf freiem Fuß an. Der Verdächtige gibt an, auf einem Wiener Ball gewesen zu sein, die Waffe gefunden zu haben. Der Vorfall bringt weitere Ermittlungen ins Rollen.

16 Objekte in drei Ländern wurden jetzt durchsucht

  • 26. April: Nach langen Ermittlungen sind sich die Behörden sicher: Der 28-Jährige und sein Komplize planen einen Anschlag. Mehrere Gespräche werden belauscht, in denen sich beide rechts­extrem und fremdenfeindlich äußern. Am Mittwoch werden sie festgenommen, 16 Objekte in Deutschland, Österreich und Frankreich durchsucht. Sprengstoff und mehrere ­Waffen werden sichergestellt. Eine Story wie aus einem Hollywood-Thriller …

Experte: "Terror-Gefahr auch in Österreich hoch"

Nicolas Stockhammer forscht als Terrorismus-Experte an der Universität Wien.

ÖSTERREICH:
Ist es bloß ein glücklicher Zufall, dass Österreich von Terroranschlägen noch verschont geblieben ist? Oder befinden wir uns nicht so sehr im Fokus der Terroristen?

Nicolas Stockhammer:
Beides. Österreich ist weiterhin nur ein sekundäres Terrorziel, und andere Länder wie Deutschland oder Frankreich sind inter­essanter für Terroristen. Trotzdem ist die Gefährdungs­lage für Anschläge in ganz Europa unverändert hoch. Da können wir Österreich nicht ausschließen.

ÖSTERREICH:
Dem ersten Anschein nach handelte es sich bei dem aktuellen Fall allerdings nicht um islamistischen, sondern um rechten Terror.

Stockhammer:
Die Anschlagspläne mit der Einschleusung in ein Asylverfahren wirken auf den ersten Blick völlig abstrus. Tatsächlich haben wir aber im rechtsextremen Spektrum Bestrebungen ausgemacht, die Gegenspirale zu be­heizen und Hass auf den Islam zu schüren. Generell werden wir als Reaktion auf den Jihadismus also in Zukunft ein Erstarken des Rechts-Terrorismus beobachten können.

(kor, mud)

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