Schwere Vorwürfe

Fake-Interviews: Trickst Asylamt Flüchtlinge aus?

Lieber fernsehen als Ehrenamt: Flüchtlinge werden in schlechtes Licht gerückt.

OÖ. Kopfschüttelnd halten Farid und Nesrin (Namen von der Redaktion geändert) den Bescheid in den Händen: Das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) hat ihren Antrag auf Asyl abgelehnt.

Doch nicht nur der negative Bescheid entsetzt das Ehepaar, das 2015 wegen seiner Religionszugehörigkeit aus Afghanistan flüchten musste. Die Art und Weise, wie er zustande kam, könnte auf Missstände in der OÖ-Regionaldirektion des BFA schließen lassen. Eineinhalb Jahre mussten die beiden in der Grundversorgung in OÖ auf das Interview warten, das dem BFA als Entscheidungsgrundlage dient. Dann ging es schnell: An einem Freitagnachmittag im Jänner wurden Farid und Nesrin zum Interview nach Linz geladen. Nur zwei Tage später – an einem Sonntag – stellte die Behörde den negativen Bescheid aus.

Passagen zum Nachteil der Antragsteller

Was Farid besonders fassungslos macht, ist das Protokoll des Interviews, das ÖSTERREICH vorliegt: Viele der angeführten Fragen seien ihm gar nicht gestellt worden, die Antworten dazu ebenfalls erfunden. Die – gar nicht gestellte – Frage, ob er sich ehrenamtlich engagiere, habe er laut Protokoll so beantwortet: „Nein, für so etwas habe ich wirklich keine Zeit. Ich schaue sehr viel Fern. Das ist mir wichtig.“ Das Absurde: Farid und Nesrin haben gar keinen Fernseher. Ebenso frei erfunden sei folgender Dialog: „Wann war Ihr letzter Arbeitstag?“ „Ich weiß nicht. Ich weiß nicht einmal, was ich gestern Abend gegessen habe.“

Die Vorwürfe wiegen schwer: Das BFA arbeite offenbar mit vorgefertigten Passagen zum Nachteil der Asylwerber, um einen ablehnenden Bescheid begründen zu können. So sei er auch nie gefragt worden, ob er sich in Afghanistan politisch betätigt hätte, sagt Farid – eine angebliche Verneinung dieser Frage im Protokoll gilt dem BFA aber als Begründung, er sei in seiner alten Heimat nicht gefährdet. OÖ scheint besonders strikt zu sein: In anderen Bundesländern hätten Afghanen der gleichen Religionszugehörigkeit ganz selbstverständlich Asyl erhalten.

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