Der Dichand-Krimi

Mysteriöse Reise nach Äthiopien – und Steuer-Causa

Der Dichand-Krimi

Thomas Schmid schrieb am 29. März 2019 ein Whats­App an Kanzler Kurz: ''Jetzt geht’s ab nach Äthiopien – das wird echt strange :-)'' 

Der „WhatsApp-Krimi“ rund um Ex-ÖBAG-Chef Thomas Schmid und Krone-Heraus­geber Christoph Dichand wird immer spannender. Es geht um einen mysteriösen ­Äthiopien-Luxusurlaub, den Schmid und Dichand im Frühjahr 2019 unternommen haben und den sie sich vom Finanzministerium ­buchen und (zumindest im Voraus) bezahlen ließen.

Seit dem Auftauchen neuer Schmid-SMS steht fest: Der ÖBAG-Chef (damals noch mächtiger Generalsekretär im Finanzministerium) und Christoph Dichand flogen nicht zu zweit – es war ein dritter Freund beim Luxusurlaub dabei, dessen Ticket auch vom Finanzministe­rium gebucht wurde. Der dritte Teilnehmer bei diesem „Männertrip“ war der Geschäftsführer des Doro­theums, Martin Böhm.

Martin Böhm ist Dichands bester Freund, sein Trau­zeuge, vor allem aber sein Vertrauter und Vertreter als Geschäftsführer des Doro­theums, an dem Christoph Dichand 25 % der millionenschweren Anteile hält – die Dichand übrigens bei einer höchst umstrittenen Privatisierung durch die ÖVP-FPÖ-Regierung erhielt.

Dokumente belegen nun, dass Martin Böhm der drittgrößte Spender im Wahlkampf für Sebastian Kurz war. Der Geschäftsführer des Dorotheums spendete 2017 beachtliche 100.000 Euro für den Kurz-Wahlkampf.

Die spannende Frage lautet nun: Spendete Böhm als ­Privatmann? Oder kam das Geld vom Dorotheum? Oder: Steckt vielleicht sogar Doro­theum-Eigentümer Christoph Dichand hinter dieser Spende?

Kein Mensch weiß bisher, welchen Hintergrund die dubiose Äthiopienreise des Kurz-Vertrauten Thomas Schmid, des Kurz-Groß­spenders Martin Böhm und des Krone-Herausgebers Christoph Dichand wirklich hatte.

Thomas Schmid schrieb am 29. März 2019 ein Whats­App an Kanzler Kurz: „Jetzt geht’s ab nach Äthiopien – das wird echt strange :-)“

Kurze Zeit vorher hatte Kurz-Vertrauter Schmid an „seinen Sebastian“ geschrieben: „Dichands sind ja gut auf Schiene – keine Klage ­soweit eingebracht.“

Hintergrund dieser SMS und vielleicht sogar der Äthiopienreise ist, dass Thomas Schmid als Mastermind im Finanzministerium eine sehr heikle „Steuer-Causa“ von Christoph Dichand „geregelt“ hat.

Christoph Dichand hat angeblich für seine Familie im Zuge der Verlassenschaft ­seines Vaters mehrere Kunstwerke, die Krone-Gründer Hans Dichand in der Schweiz und Liechtenstein „gelagert“ hatte, zurück nach Österreich geholt. Dafür wären 20 % Steuer angefallen. Da die Kunstwerke von Klimt & Co. angeblich einen Wert von mehr als 300 Millionen Euro haben sollen, könnte die nötige Steuer über 60 Millionen Euro betragen haben. Da die Dichands diese Steuerschuld bestritten, bereitete das Finanzministerium, so berichten Insider, eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft vor. Thomas Schmid soll laut diesen Insidern die Anzeige beim Staatsanwalt gestoppt und stattdessen, so die In­sider, „eine konstruktive ­Lösung“ organisiert haben. Doch niemand weiß, wie diese kon­struktive Lösung aussieht.

Die FPÖ und ihr U-Ausschuss-Abgeordneter Christian Hafenecker wollen nun in parlamentarischen Anfragen von Kanzler Kurz und Finanzminister Blümel wissen, was im „Steuer-Krimi“ Dichand wirklich gelaufen ist. Die Anfrage soll klären, ob die Dichands ihre Millionen-Kunstwerke tatsächlich nach Österreich geholt haben – und ob sie dafür die notwendige Steuer gezahlt haben. Und welche Rolle in der ganzen Causa Ex-ÖBAG-Chef Thomas Schmid spielte.

Möglicherweise wird schon bald ein Staatsanwalt klären müssen, ob es einen ­Zusammenhang zwischen der 100.000-Euro-Spende des Dorotheum-Chefs und der Steuer-Causa rund um die Klimt-Bilder gibt.

Und auch die Äthiopien­reise wird für Christoph ­Dichand immer brisanter. Sein Krone-Miteigentümer, die deutsche Funke-Gruppe, will wissen, ob das Finanzministerium die Reise gebucht, vorfinanziert oder sogar als „Geschenk“ bezahlt hat. Wenn ja, dann will die Funke-Gruppe die sofortige Abberufung von Dichand als Krone-Herausgeber erreichen. Dichand hat nur noch bis 15. Juli Zeit für die Antwort. Noch schweigt er …



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