Haftunfähig

Helmut Elsner kommt nach 1608 Tagen frei

Die Staatsanwaltschaft hat die Freilassung Helmut Elsners genehmigt.

Helmut Elsner ist seit Freitagvormittag ein freier Mann. Die Staatsanwaltschaft hat gegen den gerichtlich angeordneten nachträglichen Strafaufschub wegen Haftunfähigkeit keine Einwände und daher auf Rechtsmittel gegen den Beschluss von Richterin Sonja Höpler-Salat verzichtet. "Wir genehmigen das", gab der Leiter der Wiener Oberstaatsanwaltschaft (OStA), Werner Pleischl, nach einer morgendlichen Besprechung bekannt, in der das Justizministerium eingebunden war.

 "Ausschlaggebend für unsere Entscheidung ist die internistisch-kardiologische Situation bei Herrn Elsner. Den Standard, den er benötigt, können wir ihm nicht bieten" meinte Pleischl.

Elsner wird vorerst weiter im Wilhelminenspital verbleiben. "Mein Mann bleibt weiter im Spital. Wie lange, entscheiden die Ärzte. Danach braucht er sicher eine längere Rehabilitation, wo man kurzfristig einen Platz finden muss", sagte Ruth Elsner.

Heute soll bei Elsner eine schon länger geplante Untersuchung an der Wirbelsäule durchgeführt werden, die mit einer Narkose verbunden ist. Ruth Elsner wird ihren Mann daher auch erst am Nachmittag besuchen.

Die Enthaftung aus medizinischen Gründen ist allerdings keine endgültige. Wie es im Gerichtsbeschluss heißt, ist eine "Nachuntersuchung in acht bis zehn Monaten auf eine allfällige weitere Vollzugsuntauglichkeit" vorgesehen. Der nachträgliche Strafaufschub wegen Haftunfähigkeit wurde ausdrücklich nur "bis zur Beendigung dieses Zustands" genehmigt. Helmut Elsner soll demnach im Frühjahr 2012 wieder von Gerichtssachverständigen untersucht werden.

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Helmut Elsner kommt nach 1608 Tagen frei
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Helmut Elsner kommt nach 1608 Tagen frei
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Die Nachricht von der Freilassung kam am Donnerstag überraschend. Die Richterin hatte entschieden: Der Ex-Bawag-Chef ist haftunfähig. Das Protokoll.

1.608 Tage saß Helmut Elsner (76) in U-Haft. Einmalig in der Justizgeschichte. Doch jetzt die überraschende Wende. ÖSTERREICH hat das Protokoll.

Donnerstag, 15.25 Uhr: ÖSTERREICH erhält aus Justizkreisen den punktgenauen Hinweis: „Richterin Sonja Höpler-Salat entschied auf Haftunfähigkeit. Helmut Elsner ist ab sofort ein freier Mann.“

15.30 Uhr: ÖSTERREICH-Reporterin Ida Metzger, die seit Jahren engsten Kontakt zu Ruth Elsner pflegt und Helmut Elsner bereits zweimal in der Haft interviewt hat, ruft die Ehefrau an. Ruth Elsner hat zu diesem Zeitpunkt noch keine Ahnung von der Entscheidung des Gerichts. Sie hebt ab: „Ihr Mann geht frei“, sagt Ida Metzger.
Ruth Elsner kann ihre Gefühle nicht mehr zügeln. Es ist der Moment, die Nachricht, auf die sie seit Jahren gewartet und gehofft hat. Sie bricht vor Freude in Tränen aus. „Ich muss mich jetzt einmal niedersetzen, das pack’ ich nicht“, weint sie.

15.40 Uhr: ÖSTERREICH verschickt via Austria Presse Agentur eine Aussendung zur Elsner-Enthaftung. Jetzt kommt die Medienlawine ins Rollen.

16.22 Uhr: Gerichtssprecher Christian Gneist bestätigt nun offiziell die 
ÖSTERREICH-Meldung: „Helmut Elsner wird wegen Haftunfähigkeit auf freien Fuß gesetzt“, sagt er. Die Sensation ist perfekt.

19.20 Uhr: Ruth Elsner kann ihren Mann im Wilhelminenspital endlich in die Arme schließen. Beide weinen vor Freude!

„Haftunfähig“

Der Grund für die Entscheidung der Richterin: Die Gesundheit des 76-Jährigen ist derart angeschlagen, dass eine Haftverlängerung sein Leben gefährden könnte: „Strafvollzugsuntauglich“, lautete das Urteil der Haftrichterin Sonja Höpler-Salat, die eine rasche Entscheidung wollte: Sie geht in zwei Tagen auf Urlaub.

Freude pur

„Mein Mann kann es noch gar nicht fassen, dass er ohne Begleitung eines Beamten das Spital verlassen kann“, erzählt Ruth Elsner . Zahlreiche Gutachten waren dieser Entscheidung vorausgegangen. Im April hatten Elsners Anwälte den Antrag auf Haftunfähigkeit eingebracht. Justizgutachter Joachim Borkenstein kam zunächst zum Ergebnis, dass die Krankenstation im Gefängnis gut genug ausgestattet sei, um Elsner zu behandeln.

Alarm von Kardiologen brachte die Wende

Die dramatische Wende brachten vor zwei Wochen die Schock­fotos des schwerkranken Häftlings aus dem Wilhelminenspital. Elsner war nicht mehr wiederzuerkennen: Sein Gesicht wie ein Ballon aufgeblasen, seine Füße angeschwollen. Dazu unerträgliche Kopfschmerzen, Erstickungsanfälle, grauer Star, Herzschmerzen. Elsner konnte nur mehr im Sitzen schlafen.

Diashow: Schockfotos von Elsner



Wie geht’s jetzt weiter?
Wirklich unter Druck kam die Justiz durch den Arztbrief des Top-Kardiologen Karl Huber. Vor einer Woche richtete der Mediziner einen Appell an die Justiz: „Die Haft ist nicht mehr zu verantworten“, so Huber. Elsner wird im Wilhelminenspital bleiben. Nach seiner Entlassung wird er eine Rehab starten.

Das ÖSTERREICH-Interview mit Ruth Elsner lesen Sie hier >>>



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