Der erste Blick auf den Klagenfurter Stadion-Wald

"For Forest"

Der erste Blick auf den Klagenfurter Stadion-Wald

Die Kunstinstallation "For Forest" im Klagenfurter Wörthersee-Stadion ist am Donnerstag zum ersten Mal der Presse vorgestellt worden. Bei dem Projekt wurden fast 300 bis zu 14 Meter hohe Bäume ins Stadion gestellt, die einen europäischen Mischwald darstellen. Am Sonntag wird "For Forest" eröffnet, der Stadion-Wald kann bis Ende Oktober bei freiem Eintritt besichtigt werden.
 
Die Pressekonferenz war ausgesprochen gut besucht, in ihrer Begrüßung verwies Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz (SPÖ) darauf, dass die Riege der Medienvertreter wohl zuletzt bei der Eröffnung der Elbpilharmonie in Hamburg so international war. Initiator Klaus Littmann erzählte von dem "langen, steinigen Weg", der bis zur Umsetzung zu gehen war. Vor sechs Jahren hatte er erstmals Kontakt mit Mathiaschitz aufgenommen und ihr das Projekt präsentiert. Der Zufall hätte dabei eine große Rolle gespielt - denn auf der Suche nach einem passenden Stadion war er zuvor schon seit Jahren gewesen. "Aber wenn ein Stadion von einem internationalen Top-Fußballklub belegt wird, hat man als Kunstprojekt keine Chance", so Littmann. Das sei auch der Grund, warum man im Wörthersee-Stadion gelandet war, in dem momentan der Zweitligist Austria Klagenfurt spielt.
klagenurt1.jpg © APA/GERT EGGENBERGER
 

Klimadebatte

Littmann streute dem Stadion Rosen: "Der Kontrast aus Stahl, Beton und Glas zum Wald – das kann man nicht besser haben." Er arbeite an dem Thema der Wahrnehmung: "Jeder entwickelt seine eigenen Sehgewohnheiten, Dinge werden selbstverständlich, und dann nehmen wir sie nicht mehr wahr." Mit "For Forest" entstehe ein radikales Bild: "Ein Wald, den wir in einen völlig neuen Kontext stellen." Erfolgreich sei das Projekt, wenn ein Bild entsteht, das in den Köpfen der Menschen haften bleibt. Besucherzahlen würden für ihn keine primäre Rolle spielen.
 
"Der Zeitpunkt, zu dem wir das umsetzen, ist mir ein bisschen unheimlich", gab Littmann zu: "Es kommt so was von punktgenau, wenn man miterlebt, was anlässlich der Klimadebatte in den Medien ist, und was Studien raten: Nämlich dass weltweit der Wald aufgeforstet wird." Trotzdem blieb der Initiator dabei: "Es ist ein Kunstprojekt." "Nein", widersprach ihm Künstler Max Peintner, der mit seiner Zeichnung "Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur" das Vorbild für "For Forest" geliefert hat: "Es ist ein politisches Projekt. Zu den zwei roten Knöpfen in den USA und in Russland ist nämlich ein dritter dazugekommen", spielte Peintner auf die Gefahr des Klimawandels an.
 
Peintner erklärte daraufhin, welche Geschichte hinter seiner berühmten Zeichnung steckt, die Littmann inspiriert hatte. So sei "Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur" unter dem Eindruck des Waldsterbens entstanden: "Ich hatte ein Bild vor Augen, wo die letzten Reste des Waldes und der Natur wie im Zirkus ausgestellt sind." Die Form des Klagenfurter Stadions lasse aber noch eine andere Interpretationsmöglichkeit zu: "Man kann das Stadion auch als Schutzwall sehen, in dem dieses Stück Natur bewahrt wird."

Kritik am Projekt

Den Besuchern der Installation empfiehlt Littmann, die Perspektiven zu wechseln und den Wald von verschiedenen Blickwinkeln aus zu betrachten: "Wenn es zum Beispiel regnet oder neblig ist, ergibt das ein ganz anderes Bild, genauso, wenn sich in den kommenden Wochen die Blätter verfärben werden."
 
Bei der Präsentation nahmen die Verantwortlichen auch zur Kritik Stellung, die in den vergangenen Monaten laut geworden war: "Gegner haben mit Unwahrheiten und zum Teil persönlichen Diffamierungen versucht, das Projekt schlechtzumachen und Fußball gegen Kunst auszuspielen", sagte Bürgermeisterin Mathiaschitz, die erneut betonte, dass in die Umsetzung kein Steuergeld geflossen ist, auch die Wiederherstellung des Rasens sei finanziell abgesichert.
 
Ber Hauptsponsor des Projekts, Herbert Waldner, kündigte an, dass die Bilanz des Projekts nach Abschluss von einem Wirtschaftstreuhänder geprüft und dem Rechnungshof zur Verfügung gestellt werde. Er appellierte auch, bei solchen Projekten in Zukunft die "Aufteilung in Rot, Schwarz und Blau zu vergessen und sie außer Streit zu stellen": "Ich glaub dem Wald ist ziemlich egal, wer gerade an der Macht ist."
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