Prozess in Wiener Neustadt

700.000 Euro aus Firmenkasse verjuxt

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Angeklagter Unternehmer bekannte sich der betrügerischen Krida nicht schuldig.

"Er hat das Unternehmen seiner Frau ausgeräumt und in den Ruin getrieben." So umschrieb am Montag der Staatsanwalt im Landesgericht Wiener Neustadt den Vorwurf der betrügerischen Krida, den er einem 42-jährigen Niederösterreicher anlastet. Der Mann soll in nur 15 Monaten knapp 700.000 Euro fürs Privatvergnügen aus der Firmenkasse genommen haben. Der Angeklagte bekannte sich "nicht schuldig". Der Prozess wurde zur Vernehmung weiterer Zeugen vertagt.

"Am Anfang ist alles toll gelaufen", erklärte der 42-Jährige, der de facto das Kleintransportunternehmen seiner Frau führte. Laut Sachverständigengutachten dürfte das auch gestimmt haben. Denn im Anklagezeitraum zwischen Dezember 2009 und März 2011 betrugen die Zuflüsse in das Unternehmen 980.000 Euro. Demgegenüber klafft allerdings ein Loch von 700.000 Euro. Laut Sachverständigen "Barentnahmen, für die es keine Belege gibt."

"Ein Wahnsinn", sagte der Angeklagte selber dazu: "Aber ich hab das Geld nicht. Wo soll ich das hingebunkert haben?" Seiner Verantwortung nach habe er jede einzelne Rechnung bei seinem Steuerberater deponiert. Dass dieser allerdings solche Rechnungen nie zu Gesicht bekommen haben will, konnte sich der 42-Jährige nicht erklären. "Mein Steuerberater hat einen dickes Postkasterl, da habe ich immer alles hineingeschmissen." "Vielleicht hat in den Postkasten jemand eingebrochen und justament Ihre Belege gestohlen", ätzte Richterin Alexandra Baumann.

Dass er dem Finanzamt 180.000 Euro an Mehrwertsteuer schuldig blieb, dafür hatte der Angeklagte nur eine Erklärung. Er habe sich übernommen, sei "blauäugig" gewesen und habe sich "mit der Steuer sonst nicht ausgekannt". Mit fünf Transportern habe er sich selbstständig gemacht. Dann habe er auf 15 Autos aufgestockt. "Ich habe mir gedacht: Je mehr Autos man hat, desto besser kann man leben. Aber das ist voll in die Hose gegangen." Wer daran Schuld hatte? "Meine Fahrer haben die Autos kaputt gemacht, die sind gegen Wände oder ohne Motoröl gefahren. So sind enorme Summen an Reparaturkosten entstanden", meinte der Angeklagte dazu.

Als die Finanz an die Tür klopfte und er auch die Sozialversicherungsabgaben für die angestellten Fahrer nicht mehr bezahlen konnte, wurde im März 2011 der Konkurs über die Kleintransportfirma eröffnet. Als die Masseverwalterin das Unternehmen genauer unter die Lupe nahm, taten sich Indizien auf, "dass Schwarzgeld produziert wurde". Kaum gingen Gelder ein, wurden diese "postwendend tags darauf wieder entnommen", schilderte die Masseverwalterin im Zeugenstand. Damit habe er offene Rechnungen beglichen, konterte der Angeklagte. Demnach sei es bei ihm üblich gewesen, dass er Subunternehmer stets bar bezahlt habe. Selbst Beträge in der Größenordnung von 300.000 Euro habe er demnach in nur 15 Monaten auf den Tisch geblättert.

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Auch Scheinrechnungen an einen Tischler in der Höhe von 47.000 Euro wurden dem 42-Jährigen vorgehalten. Im Zeugenstand konnte dieser Tischler allerdings anhand seiner Buchhaltung beweisen, dass er dem Angeklagten nur einmal eine Arbeit um 54 Euro in Rechnung gestellt hatte. Dafür blieb der Angeklagte eine Erklärung schuldig.

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