Dreifach-Mord: Das Geständnis des Grafen Tono

Erbschaftsstreit als Motiv

Dreifach-Mord: Das Geständnis des Grafen Tono

Er hat gestanden: ­Freitagmittag gab Graf Tono Goess, der Besitzer von Schloss Bockfließ bei Mistelbach, zu, seine Familie ermordet zu haben. Der 54-Jährige soll am Donnerstag ­gegen 14 Uhr seinen Vater ­Johannes Ulrich (92), seine Stiefmutter Margherita (87) und seinen jüngeren Bruder Ernst (52) aus nächster Nähe im Büro des Schlosses mit einer Schrotflinte erschossen haben. Über das Motiv hüllt sich die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen in Schweigen.

Doch alles spricht dafür, dass der Adelige im Bruder-Streit um Geld und ums Erbe zum Mörder wurde. Und den seit der Kindheit verhassten Vater und dessen Frau gleich mit umbrachte.

Adels-Familie musste 
Ländereien verkaufen

Es war ein offenes Geheimnis in der 1.300-Einwohner-Gemeinde Bockfließ: Die einst so wohlhabende Familie Goess war in finanzielle Turbulenzen geraten. Län­dereien mussten veräußert werden. Der patriarchalische Alt-Graf lastete dies seinen Söhnen an. Die sollen sich wiederum gegenseitig den Schwarzen Peter zugeschoben haben. Von heftigen Streitereien zwischen den Brüdern ist die Rede.

Andererseits wurden sie noch am Samstag gemeinsam bei einem Einkauf in einem Lebensmittelgeschäft gesehen.

Das sind die Opfer

Dreifach-Mord Bockfließ Goess Opfer
Margherita (die 2. Frau des Alt-Grafen), Johannes Ulrich (Familienoberhaupt) und Ernst (der jüngere Bruder des Schützen)

Alko-Test verlief 
nach der Tat negativ

Wie es zu der blutigen Tragödie kommen konnte, kann sich keiner der Bekannten erklären. Unisono sagen alle, dass Tono Goess ein höflicher, freundlicher und hilfsbereiter Mensch ist, der sich stets respektvoll verhalten habe. Doch weshalb nahm der Graf das Jagdgewehr zur Hand und feuerte mit der Schrotflinte fünf Mal auf seine Angehörigen? Er muss die Waffe sogar mehrfach nachgeladen haben. Ein psychischer Ausnahmezustand, war er überhaupt zurechnungsfähig?

Unmittelbar nach den Todesschüssen ließ sich der Adelige widerstandslos am Tatort festnehmen. Er ging den alarmierten Polizisten seelenruhig entgegen. Ein durchgeführter Alkohol-Test verlief negativ. Ein entsprechender Drogentest wurde veranlasst, das Ergebnis liegt noch nicht vor.

Bis Samstagmittag muss über die U-Haft entschieden werden. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Die letzten Stunden vor den Morden

 

Die Kripo versucht gerade, die letzten Stunden vor der grausamen Familientragödie zu rekonstruieren. Entscheidende Frage: Was passierte zwischen 2.44 Uhr in der Nacht und 14 Uhr am nächsten Tag.

Bis 2.44 Uhr saß Tono Goess vor seinem Computer. Der politisch stark interessierte Schlossherr postete Beiträge über den Gelbwesten-Protest in Frankreich und die Verschärfung des Asylrechts in Österreich. Wenig später aber auch ein Video über einen tanzenden Neurochirurgen.

Keine zwölf Stunden später richtete er innerhalb der Familie das Blutbad an.

Bockfließ Dreifach-Mord © TZOE/Fuhrich
Auf diesem Schlossgut ereignete sich die schreckliche Bluttat.

Anrainer: "Sie hatten sehr wohl finanzielle Probleme"

Ein Anrainer des Schlosses über Probleme in der Familie.

ÖSTERREICH: Wie gut hat man die Familie im Ort gekannt?

Anrainer: Sehr freundlich war die Familie. Ich habe dem Grafen einmal ein Buch geschenkt. Etwas Antiquarisches über Goess. Da hat er mich zum Kaffee eingeladen.

ÖSTERREICH: Hat man die Brüder vor der Tat noch im Ort gesehen?

Anrainer: Ja, ich habe zwei Tage vorher die Brüder in einem Lebensmittelgeschäft gesehen, da haben sie eine Bonbonniere ausgesucht.

ÖSTERREICH: Wie schockiert ist man als Anrainer, wenn so etwas passiert?

Anrainer: Man glaubt es kaum. Die haben viel Geld gehabt und keine Probleme. Glaubte man. Dabei hat sich herausgestellt, dass sie sehr wohl finanzielle Probleme hatten. Sie haben Gründe verkauft, da muss doch eigentlich ein Geld da gewesen sein.

Video zum Thema Dreifach-Mord: Bluttat auf Schlossgut
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Der Goess-Clan: Zehn Schlösser und ein Berg

Das Adelsgeschlecht Goess ist weit verzweigt, geht auf einen Urahnen aus Portugal zurück und kam über Flandern nach Österreich. 1530 in den Adelsstand zu Reichsgrafen erhoben, dienten sie den Habsburgern. Der getötete Graf Johann Ulrich soll auch mit Erzherzog Johann verwandt gewesen sein. In Österreich sind sie vor allem in Kärnten ansässig, besitzen von Süd­tirol bis Niederösterreich zehn Schlösser, Palais und ­sogar den ganzen Ulrichsberg in Kärnten.

Tonos Cousine Pilar war Geliebte von Aga Khan

Model-Muse. Schillerndste Figur der Society war in den 70er-Jahren Pilar Goess, die Cousine des Verdächtigen, die 1999 an einem Gehirntumor verstarb. Sie war Model, Muse von Designer Atil Kutoglu. Der Milliardär Aga Kahn wollte sie sogar heiraten. Aber auch ein Landeshauptmann Kärntens (1861) und ein Bundesrat der ÖVP gingen aus dem Geschlecht hervor.

Verwandt. Schloss Bockfließ kam durch Heirat in den Besitz der Familie. Cousin Kari Goess residiert am Wörthersee und ist mit einer der reichsten Frauen Österreichs verheiratet.

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