Eisbuben im Koma

Kritischer Zustand

Eisbuben im Koma

Die zwei Buben, die am Freitag in einen Löschteich gefallen waren, sind – im künstlichen Tiefschlaf gehalten – weiterhin in akuter Lebensgefahr.

Nach dem tragischen Unfall am Freitag in Hessendorf im Waldviertel ist der Zustand der beiden Buben weiterhin kritisch. Die zwei Kindergarten-Freunde Richard (4) und Raphael (5) waren in einen Teich eingebrochen und trieben eine Dreiviertelstunde lang leblos im eiskalten Wasser. „Es geht ihnen unverändert schlecht. Sie werden nach wie vor in künstlichem Tiefschlaf gehalten“, sagt Gerhard Trittenwein vom Wiener AKH.

Unterkühlung
Erst nach unendlich langen 45 Minuten hat die Mutter eines der Kinder die leblosen Körper der Kleinen entdeckt und aus dem Löschteich gezogen. Die Körpertemperatur der Buben betrug zu diesem Zeitpunkt nur noch 18 Grad. Doch gerade die massive Unterkühlung hat den beiden Buben das Überleben gesichert.

Sauerstoff
„Der Kälteschock war ihre einzige Chance. Aufgrund der Unterkühlung schaltete der Körper auf eine Art Spar­modus um. Der Stoffwechsel wurde extrem verlangsamt und der Bedarf an Sauerstoff dadurch drastisch vermindert“, erklärt Arnold Pollak, Leiter der Kinderklinik. Zum Vergleich: Die zweijährige Pia, die am Samstag in der oststeirischen Therme Loipersdorf in ein Becken gefallen war und eine Minute im warmen Wasser trieb, wäre bereits nach wenigen Minuten klinisch tot gewesen. Denn bei Normaltemperatur beginnen die Körperzellen eines Menschen bereits ab drei Minuten ohne Sauerstoff abzusterben. Spätestens ab zehn Minuten unter Wasser versagen die ersten lebenswichtigen Organe.

Kälteschock
Der Effekt des Kälteschocks, der die Buben aus Niederösterreich überleben ließ, wird auch in der Notfallambulanz genutzt. „Nach schweren Autounfällen wird die Körpertemperatur von Verunglückten, besonders bei solchen mit massiven Kopfverletzungen, mit speziellen Apparaten oft künstlich auf unter 30 Grad gesenkt“, sagt Intensiv-Mediziner Herwig Feik.

Erst die nächsten Tage werden entscheiden, ob Raphael und Richard mit dem Leben davon kommen. Bis Montagabend wird ihre Körpertemperatur noch auf 33 Grad gehalten. Eine Herz-Lungenmaschine hält ihren Kreislauf aufrecht. „Ihre geschwächten Körper sind jetzt besonders anfällig für Infektionen“, so Pollak.

Ermittlungen
Während das Leben der Buben an einem seidenen Faden hängt, leiden die Eltern der Buben am Spitalsbett. Sie machen sich Vorwürfe. In der Zwischenzeit prüft die Polizei, ob sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben.

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