Tourengeher von Lawine erfasst

Frau schwer verletzt

Tourengeher von Lawine erfasst

Insgesamt vier Personen sind am Dienstag im Bundesland Salzburg von einer Lawine und einer Schneewechte erfasst worden. Zwei davon erlitten schwere Verletzungen. In Strobl im Flachgau wurden zwei Bergkameraden in einer steilen Rinne des "Rinnkogels" von einer Schneewechte mitgerissen. Ein 42-jähriger Flachgauer wurde rund  600 Meter in die Tiefe gerissen und schwer verletzt, sein 43-jähriger Freund aus Oberösterreich blieb unverletzt. In Obertauern (Pongau) trat ein deutsches Ehepaar beim Aufstieg zur "Glöcknerin" mit den Skiern ein riesiges Schneebrett los. Die Frau wurde gegen einen Baum gedrückt und schwer verletzt. Ihr Mann kam mit leichten Verletzungen davon.

Skitourengebiet
   Der Rinnkogel gilt nicht als klassisches Skitourengebiet, sagte Bernhard Niedermoser von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) Salzburg. Die beiden Bergkameraden wollten am Dienstagvormittag den 1.832 Meter hohen "Rinnkogel" über die westliche, sehr steile Rinne erklimmen und dann mit ihren Tourenskiern in der Rinne abfahren. "Sie waren mit kompletter Skitourenausrüstung, Steigeisen, Pickel, Seil, Helm, Gurt und Sicherungsmaterial ausgerüstet", erklärte Polizeisprecher Anton Schentz.

   Nachdem die Alpinisten auf den Skiern zur Rinne gegangen waren, schnallten sie die Brettln auf den Rucksack und stiegen mit Steigeisen durch die etwa 45 bis 50 Grad steile Rinne auf. Als sie sich gegen 10.40 Uhr auf einer Höhe von etwa 1.600 Metern befanden, brach oberhalb eine Schneewechte los und riss die beiden in die Tiefe.

Verletzungen
  Der  43-jährige Oberösterreicher aus Gmunden blieb vor einem Steilabbruch in etwa 1.200 Meter Seehöhe unverletzt an der Schneeoberfläche liegen. Sein 42-jähriger Freund aus Hof bei Salzburg stürzte über die Steilstufe. Er kam in etwa 1.000 Meter Seehöhe mit einem Oberschenkelbruch und Gesichtsverletzungen zu liegen. Der Schwerverletzte wurde nach der Erstversorgung durch seinen Kameraden vom Team des Rettungshubschraubers Christophorus 6 mit einem 40 Meter langen Tau geborgen und anschließend ins Unfallkrankenhaus Salzburg gebracht. Neun Bergretter und zwei Alpinpolizisten beteiligten sich an dem Einsatz. Laut dem Salzburger Lawinenwarndienst herrschte zum Zeitpunkt des Unfalls in dieser Region Lawinenwarnstufe zwei (mäßig). Die Rinne gilt aber schon allein wegen ihrer Steilheit als gefährlich.

   Offenbar ohne Lawinenausrüstung war das Ehepaar aus Berlin mit den Skiern im freien Gelände in Obertauern unterwegs. Die beiden hatten gegen 12.45 Uhr beim Aufstieg zur "Glöcknerin" (2.433m) auf 1.750 Metern ein 300 Meter breites Schneebrett ausgelöst. Die Abrisskante war bis zu zwei Meter hoch, die Lawine donnerte rund 500 Meter weit in Richtung Felseralm hinunter. Der Skitourengeher (40) konnte offenbar selbst weiter und die Polizei verständigen. Seine Frau (35) wurde von den Schneemassen einige Meter mitgerissen und dann gegen einen Baum gedrückt. Dieser befand sich ganz in der Nähe jener Stelle, wo ein Bundesheer-Bediensteter vor zwei Jahren in einer Lawine ums Leben gekommen war - ein Marterl erinnert an den tragischen Unfall.

   Laut Polizei war der Hang 35 bis 40 Grad steil. Die Berlinerin habe Brüche an Armen und Beinen und eine Unterkühlung erlitten, sagte der stellvertretende Bezirksstellenleiter der Pongauer Bergrettung, Coen Weesjes. "Die Frau war teilweise verschüttet und ansprechbar", schilderte Weesjes im Gespräch mit der APA. Die beiden Tourengeher seien ohne Lawinenausrüstung, also ohne Pieps und Schaufel, unterwegs gewesen. Durch den stürmischen Wind haben sich Schneeverfrachtungen gebildet, "deshalb ist die Lawinensituation heute problematisch gewesen", meinte Weesjes.

   An dem Rettungseinsatz in Obertauern beteiligten sich 33 Bergretter, fünf Suchhunde, sechs Alpinpolizisten, ein Notarzt und 15 Feuerwehrleute. Die Verletzte wurde mit einer Trage zur Gnadenalm und von dort in ein Spital gebracht. Ihr Ehemann hatte sich Prellungen und eine Unterkühlung zugezogen.

   Bergretter raten von Skitouren im steilen Gelände ab. Speziell am Alpenhauptkamm haben sich durch stürmischen Winde Triebschneeansammlungen im Lee, im windgeschützten Bereich gebildet, sagte Meteorologe Niedermoser. Am Dienstag bestand in Obertauern erhebliche Lawinengefahr (Stufe drei der fünfteiligen Skala).

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