Schwarz-grüne Koalition in Tirol fix

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Schwarz-grüne Koalition in Tirol fix

Einer Neuauflage von Schwarz-Grün in Tirol steht seitens der ÖVP nichts mehr im Weg. Der Landesparteivorstand der ÖVP segnete Mittwochabend den mit den Grünen ausverhandelten Koalitionspakt ab. Er wurde einstimmig beschlossen, teilte die ÖVP im Anschluss an die rund eineinhalb Stunden dauernde Sitzung mit. Das "Ja" der Grünen stand vorerst noch aus. Deren Landesversammlung fand zeitgleich statt.

Statements der Politiker gab es im Anschluss an die Sitzung keine. Man wolle der Entscheidung der Grünen nicht vorgreifen, hieß es. Das gemeinsam erarbeitete Regierungsprogramm trage den Namen "Entschlossen regieren. Tirols Zukunft sichern".

 

Regierungsteam um Platter soll gleich bleiben 

Das Regierungsteam rund um LH Günther Platter soll indes gleich bleiben. Neben dem Landeshauptmann werden Josef Geisler als LHStv., Beate Palfrader, Johannes Tratter, Patrizia Zoller-Frischauf und Bernhard Tilg der zukünftigen Landesregierung angehören, teilte die ÖVP in einer Aussendung mit. Bei der konstituierenden Landtagssitzung am 28. März werde die Tiroler Volkspartei Ex-Bundesratspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann für die Funktion der Landtagspräsidentin vorschlagen, als Vizepräsident werde LAbg. Anton Mattle nominiert. Alle Personalentscheidungen seien einstimmig beschlossen worden.
 
Die ÖVP hatte bei der Landtagswahl am 25. Februar 44,26 Prozent erreicht und ein Plus von 4,91 Prozent eingefahren. Die Volkspartei ergatterte damit einen zusätzlichen Sitz im Landtag und hat nun 17 Mandate. Mit den Grünen, die ein Mandat verloren hatten und nun vier haben, würde die neue/alte Regierung wieder auf eine Mehrheit von 21 der insgesamt 36 Mandate kommen.
 

Grüne Basis stimmte für Pakt mit ÖVP 

Tirol wird auch in den kommenden fünf Jahren von Schwarz-Grün regiert. Die grüne Landesversammlung stimmte am späten Mittwochabend in der Villa Blanka in Innsbruck mit 85,48 Prozent für den Koalitionspakt mit der ÖVP und damit für die Fortsetzung der schwarz-grünen Koalition. Der ersten Koalitionsvereinbarung im Jahr 2013 hatten noch 89 Prozent der Basis zugestimmt.
 

Grüne bereits seit Nachmittag beraten

In der Villa Blanka in Innsbruck hat am späten Mittwochnachmittag die Landesversammlung der Grünen begonnen. Dabei wird die Basis über den schwarz-grünen Koalitionspakt abstimmen und damit über die Neuauflage von Schwarz-Grün entscheiden. LHStv. Ingrid Felipe warb zu Beginn eindringlich für das Regierungsübereinkommen. "Ich bin überzeugt davon, dass es reicht und Sinn macht", meinte sie.
 
Es handle sich um ein Papier, "das wir uns trauen können, vorzulegen", so die grüne Frontfrau, die bei der Gelegenheit auch endgültig für Klarheit über das grüne Regierungsteam sorgte. Sie werde wie bisher Landeshauptmannstellvertreterin und unter anderem für Verkehrs- und Umweltpolitik zuständig sein, die Nachfolge der scheidenden Soziallandesrätin Christine Baur soll bei einem Basis-Ja die bisherige LAbg. Gabi Fischer antreten.
 

Keine Details im ersten Statement von Felipe

Felipe ging in ihrem Eröffnungsstatement nicht ins Detail des 78-seitigen Koalitionsvertrages. Das überließ sie Klubobmann Gebi Mair. Bei Themen wie Gesundheit und Verkehr sei man sich rasch einig gewesen, aber es habe auch einige Knackpunkte gegeben, so Felipe vor knapp über 100 Mitgliedern. Sie zeigte sich auch verärgert, dass "vertrauliche Informationen hinausgespielt" worden seien, dies habe für die ein oder andere Irritation gesorgt.
 
Mair machte dann kein Hehl daraus, dass der Koalitionspakt einige schwer verdauliche Brocken enthalte. "Wir sind bei der Wahl bei rund zehn Prozent gelandet. Wir müssen kleine Brötchen backen", gab Mair unumwunden zu. Vor allem die Ressortverteilung spiegle das Wahlergebnis stärker wider, als dies beim restlichen Programm der Fall sei: "Das tut verdammt weh". Die Grünen, konkret Felipe, mussten die konzentrierten Naturschutzverfahren bei Kraftwerken und Beschneiungsanlagen an die ÖVP abgeben. Im Gegenzug erhielt man die Entwicklungszusammenarbeit.
 
"Es wird neue Skigebiete und neue Kraftwerke geben. Das tut sehr weh", fuhr der Klubobmann schmerzhaft fort. In Sachen Wasserkraft verwies Mair darauf, dass die "Tabustrecke" am Inn außer Streit gestellt worden sei. Darüber hinaus habe man aber "nicht wahnsinnig viel gewonnen", das Programm beinhalte viele Evaluierungen und Prüfungen. Bei der Nominierung von Natura 2000-Gebieten verzeichnete der Klubobmann auf der Habenseite, dass es mittlerweile "kein absolutes Nein" von Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) mehr dazu gebe.
 
Bei der von den Grünen abgelehnten Realisierung des Fernpassscheiteltunnels habe man zwar ein "Signal" geben müssen, so Mair in Bezug darauf, dass dieser im Pakt erwähnt wird. Er verwies aber auf Auflagen wie das 7,5-Tonnen-Limit für Lkw, die Einbindung der Gemeinden oder die Fortführung der Fernpass-Strategie.
 

Erfolge beim Bereich Wohnen

Erfolge sah Mair im Bereich Wohnen. Die landesweite Mietzinsbeihilfe werde eingeführt, gleichzeitig 50 Millionen Euro für studentisches Wohnen ausgegeben sowie 120 Millionen Euro für weitere 2.000 geförderte Wohnungen lockergemacht. "Und die Wohnungskosten für Mindestsicherungsbezieher werden bis Mai 2018 angehoben", so Mair. Leistbares Wohnen hatte auch Landeshauptmann Platter zu einem Schwerpunkt der kommenden Periode ausgerufen.
 
Mair richtete zudem einen eindringlichen Appell an die eigene Partei. Die Grünen seien "Umweltfighter im Abwehrkampf", es gelte "zu retten, was zu retten ist". Man habe noch nicht viel in der Hand, aber man müsse darum kämpfen - ob in Regierung oder Opposition. "Es muss Schluss sein mit dem Schönsprech. Wir brauchen eine neue Ehrlichkeit", rief er den Mitgliedern zu.
 
 
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