16-jähriger Wiener Islamist in Haft

Für IS in Syrien

16-jähriger Wiener Islamist in Haft

Islamist bei Schlacht als Rettungsfahrer eingesetzt - Bei Bombenangriff schwer verletzt.

Ein 16-jähriger Wiener, der im Mai 2014 zum Islam konvertiert war, sich in kurzer Zeit radikalisiert haben dürfte und im August ins syrisch-irakische Bürgerkriegsgebiet reiste, um sich dem "Islamischen Staat" (IS) anzuschließen, ist am vergangenen Dienstag festgenommen worden. Er stellte sich freiwillig den Behörden. Bei seiner Einreise klickten am Flughafen Wien-Schwechat die Handschellen.

VIDEO: Wiener ISIS-Kämpfer verhaftet


Der Lehrling, der sich zum Versicherungskaufmann ausbilden hatte lassen, ehe er sich zum Islamisten entwickelte, seinen bürgerlichen Namen ablegte und sich "Abu Muktail Al Almani" nannte, wurde seit vergangenem Oktober von der Justiz gesucht. Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt gegen ihn unter anderem wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Ausbildung für terroristische Zwecke und Aufforderung zu terroristischen Straftaten.

Schwere Verletzungen
Seinen Angaben zufolge wurde der 16-Jährige bei der Schlacht um Kobane vom IS als Rettungsfahrer eingesetzt und war in dieser Funktion mit einem Hummer-Geländewagen unterwegs. "In Österreich habe ich bereits mit der Führerscheinausbildung begonnen, daher konnte ich mit dem Fahrzeug fahren", gab der Bursch bei seiner ersten Einvernahme im Wiener Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) zu Protokoll. Seine Aufgabe sei es gewesen, "die Verletzten ins Krankenhaus zu bringen".

Die Eindrücke, die er dabei gewann - dem Jugendlichen wurden die Grauen des Krieges nachdrücklich vor Augen geführt - sowie die schweren Verletzungen, die er später bei einer Bombenexplosion in Raqqa erlitt, bewogen ihn dazu, auf abenteuerlichen Wegen das Kriegsgebiet wieder zu verlassen und nach Österreich zurückzukehren.

"Bei einem Bombenangriff hat er die Milz, eine Niere und einen Lungenflügel verloren", berichtete Verteidiger Werner Tomanek, der den Burschen vertritt, am Donnerstag im Gespräch mit der APA. Noch immer würden zahlreiche Splitter in seinem Körper stecken, weshalb der Anwalt davon ausgeht, dass der Jugendliche nach seiner Überstellung ins Landesgerichtliche Gefangenenhaus, die noch heute, Donnerstag, erfolgen sollte, in der dortigen Krankenabteilung aufgenommen wird.

"Umfassend geständig"
"Er will reinen Tisch machen. Er ist umfassend geständig. Die Einvernahmen vor dem LVT sind bereits abgeschlossen", skizzierte Tomanek die Verantwortung des 16-Jährigen. Der Bursch wolle mit den Behörden kooperieren. Diese dürften sich vor allem für die Männer interessieren, die den Lehrling dazu bewogen hatten, in den bewaffneten Jihad zu ziehen.

Seiner Aussage zufolge wurde der Lehrling "zur Reise verleitet". Ihm sei in Wien vorgemacht worden, "dass man dort auch ohne zu kämpfen gut leben kann. Ich verstand darunter, dass ich ein Haus habe, eine Frau und Geld bekomme", hielt der Bursche bei seiner Befragung fest. Man habe ihm erklärt, dass er sich aussuchen könne, ob er kämpfen wolle oder nicht. Er habe ersteres nie im Sinne gehabt.

 

VIDEO: ISIS Geisel berichtet aus Kobane (Oktober 2014)

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