Messer-Angriff: Jetzt spricht der Arzt

33-Jähriger hörte innere Stimmen

Messer-Angriff: Jetzt spricht der Arzt

Österreich steht noch immer unter dem schockierenden Eindruck der Messerattacke auf den beliebten und äußerst angesehenen Kardiologen Dr. B. (64) im SMZ Süd in Wien-­Favoriten. Vor allem der Umstand, dass der Angriff jemandem galt, der sein Leben in den Dienst der Menschen gestellt hat, macht ratlos. Zweimal stach der aus dem Kriegsgebiet Sierra Leone in ­Afrika stammende Paul J. (33) auf jenen Arzt ein, bei dem er bereits seit Jahren wegen eines Herzleidens in Behandlung war. Ohne Vorwarnung.

Keine Wut. Im ersten Polizeiverhör gab der Mann an, dass ihm die Tat von inneren Stimmen befohlen wurde. Ein psychologisches Gutachten soll diese „Rechtfertigung“ nun verifizieren. Der verletzte Arzt Dr. B. hat in 
all den Jahren, in denen er Paul J. behandelte, nichts von einer etwaigen psychischen Abnormität mitbekommen: „Ich kenne ihn als ruhig, still, fast introvertiert.“ Wut verspürt der Arzt auf seinen Angreifer keine, wie er im Interview erklärt.

Opfer Kardiologe Dr. B. (64): "Ich wurde ganz gezielt von ihm angegriffen"

Frage: Wie geht es ­Ihnen denn jetzt nach der Messerattacke vom Mittwoch?

Dr. B.: Ich habe überlebt. Alles andere ist vorerst zweitrangig. Langsam kann ich nun meinen Heilungsweg beschreiten. Wenn es keine Komplikationen gibt, dann bin ich zuversichtlich. Ich bedanke mich für die große Anteilnahme. Ich war zeit meines Lebens ein bescheidener Typ, und ich wollte gute Arbeit leisten, aber die Publicity jetzt ist mir unangenehm.

Frage: Wie kam es zu dem Angriff?

Dr. B.: Ich war auf dem Weg in den zweiten Stock mit einem Programmiergerät. Er saß rechts von mir. Ich sehe ihn und denke mir nichts dabei. Und wie ich vorbeigehe, nehme ich aus den Augenwinkeln wahr, dass er aufsteht, einen Gegenstand aus der Tasche zieht und schon fast elegant etwas davon abstreift. Und dann sehe ich das Messer. Im nächsten Moment hat er auch schon zugestochen. Ich hatte keine Möglichkeit, zu reagieren.

Frage: Hatten Sie Schmerzen?

Dr. B.: In dem Moment nicht. Als Mediziner weiß ich, dass der Schmerz erst verzögert kommt. Ich habe mir die Hand auf die Wunde gelegt und versucht wegzukommen. In einem Nebenraum habe ich mich auf ein Bett gelegt. Dann waren auch schon meine Kollegen bei mir.

Frage: Sie kennen den Täter und haben ihn auch jahrelang behandelt. Wissen Sie, weshalb er Sie angegriffen hat?

Dr. B.: Nein, das weiß ich nicht. Ich würde ihn als ruhig, still, fast schon introvertiert beschreiben. Ich hatte dennoch den Eindruck, dass ich ganz gezielt von ihm angegriffen wurde.

Frage: Wie empfinden Sie gegenüber dem Täter? Sind Sie wütend?

Dr. B.: Überraschenderweise nicht. Er wird wohl nicht alle Sinne beisammenhaben. Mir ist vor Jahren ein Wagen ­hinten aufgefahren, ich hatte meine Kinder im Auto. In diesem Moment dachte ich, wenn meinen Kindern jetzt etwas passiert ist, weiß ich nicht, was ich tue. Das war eine starke Emotion. So empfinde ich jetzt nicht.

Frage: Wie stehen Sie zur Forderung nach Sicherheitsschleusen wie am Flughafen?

Dr. B.: Ein Flug ist eine geplante Sache. Aber im Gesundheitswesen gibt es viele ungeplante Ereignisse. Da können solche Kontrollen zu Verzögerungen führen und sich als nachteilig erweisen. Dennoch muss man nachdenken, wie man die Sicherheit verbessern kann.

 

Mehr Sicherheit in Spitälern: Ärztekammer fordert Metalldetektoren & Sicherheitsschleusen

„Krankenhäuser gehören wie Gerichte gesichert“, fordert der Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Harald Mayer, nach dem Messerangriff auf den 64-jährigen Oberarzt im SMZ Süd.

Das schließe Sicherheitsschleusen, Metalldetektoren und das Durchsuchen nach mitgebrachten gefährlichen Gegenständen ein.

Für den Präsidenten der ÖÄK, Thomas Szekeres, ist der Angriff auf den Kardiologen „der ­traurige Tiefpunkt einer Entwicklung, die wir schon länger mit Sorge beobachten“. ­Aggressives Verhalten und Gewalt gegen Ärztinnen und Ärzte sowie medizinisches Personal nehmen immer weiter zu, so Szekeres.

 

 

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