Aliyev-Prozess: Witwe sagt aus

Wien

Aliyev-Prozess: Witwe sagt aus

Sholpan Khasenova berichtet unter Tränen von letzten Kontakt mit ihrem Mann. 

Ein frühere Fahrer von Rakhat Aliyev, Viktor Sapozhnikov, hat seinen ehemaligen Vorgesetzten und dessen persönlichen Assistenten Vadim Koshlyak schwer belastet. Am Tag des Verschwindens der beiden Nurbank-Manager hätte er neben Aliyev und Koshlyak auch zwei maskierte Männer herumgefahren, sagte Sapozhnikov am Dienstag vor dem Straflandesgericht in Wien.

Im Begleitwagen
Sapoznikov fuhr nach eigenen Angaben den Begleitwagen Aliyevs. Am Tag des Verschwindens der beiden Bank-Manager wurde er und ein anderer Fahrer zu dem Gebäude der Nurbank bestellt, vor dem sich am Abend mehrere Polizisten, aber auch Reporter befanden. "Von dem, was sich da in dem Gebäude abspielte, hatte ich keine Vorstellung", sagte er.

Später seien dann mehrere Männer aus der Bank, darunter neben Aliyev und Koshlyak auch zwei für ihn unbekannte Männer "mit Mütze bis zur Nase", gekommen. Auf die Frage von Richter Andreas Böhm, ob er dabei nicht nachgefragt hatte, sagte er: "Nein, in meiner Lage Fragen zu stellen, stand mir nicht zu."

Kein auffälliges Gespräch
Auch könne er sich in den darauffolgenden Tagen, in denen er die Männer in der Gegend herumfuhr, nach mehrmaliger Nachfrage von Richter Böhm an kein auffälliges Gespräch erinnern. "Es ist sicher nicht über das Wetter gesprochen worden, aber auch nicht über die Situation", betonte Sapoznikov. Den zweiten Hauptbeschuldigten Alnur Mussayev habe er dabei nicht gesehen.

Sapoznikov hatte 2014 überraschend seine Aussage zulasten Aliyevs geändert. Als Richter Böhm fragte, warum er zuvor nicht gegen seinen früheren Arbeitgeber ausgesagt habe hatte, sagte er: "Aus Angst vor Aliyev." Er betonte: "Für mich war klar, dass dieser Mann zu vielem fähig ist." Er hätte aber keine Beweise dafür gehabt, deshalb hätte er das auch nicht früher erwähnt.

In einem anonymen Schreiben, das 14 Tage vor der Aussagenänderung bei der Staatsanwaltschaft eintraf, soll von Drohungen und enormen Druck auf Sapozhnikov und seiner Familie berichtet worden. "Direkt" gedroht habe Aliyev ihm aber nicht, betonte der Zeuge. Im Laufe der Jahre habe er aber den Eindruck gewonnen, dass Aliyev für die Ereignisse verantwortlich sei, ergänzte Sapozhnikov.

2007 nach Wien
Sapoznikov kam nach eigenen Angaben im Jahr 2007 als Fahrer mit Aliyev nach Wien. Nachdem er zwei Monate von der kasachischen Botschaft Gehalt bezog, wurde er gelegentlich von Aliyev und seinen Verwandten finanziell unterstützt. Nachdem er seine Aussage 2014 geändert hatte, wurden seiner Ehefrau von seinem Schwiegervater aus Kasachstan ein Betrag von 130.000 Euro überwiesen, sagte der Zeuge auf eine Frage hin.

Der Prozess wird am morgigen Mittwoch mit der Befragung eines ehemaligen Mitarbeiters Aliyevs, Tulegen Imashev, am Wiener Straflandesgericht im Raum 303 fortgesetzt.

VIDEO: News TV war am ersten Prozesstag mit dabei

 

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