Stadt Wien schickt Italien-Reisende in Zwangsurlaub

Coronavirus

Stadt Wien schickt Italien-Reisende in Zwangsurlaub

Jene Mitarbeiter der Stadt, die in den letzten Tagen und Wochen in Italien waren, werden zwei Wochen lang freigestellt.

Ein 72 Jahre alter Mann ist der erste bestätigte Coronavirus-Fall in Wien. Er lag bereits seit zehn Tagen mit klassischen Grippe-Symptomen in der Rudolfstiftung in der Landstraße. Spitalsmitarbeiter wurden nun in häusliche Quarantäne geschickt, Besucher des Mannes auf das Coronavirus getestet und drei klinische Stationen des Spitals gesperrt.

Nun reagiert auch die Stadt Wien. Wie es heißt, werden Mitarbeiter der Stadt, die in den letzten Tagen und Wochen in Italien war, zwei Wochen in Zwangsurlaub geschickt. Um sicherzugehen, dass sie nicht infiziert sind.

Insgesamt wurden laut Gesundheitsministerium bis Donnerstagvormittag österreichweit 447 Testungen auf SARS-CoV-2 durchgeführt, vier Fälle gelten als bestätigt. In mindestens 15 europäischen Ländern gibt es inzwischen Fälle, 14 Tote wurden gezählt bei etwa 500 Infizierten, wie es vom europäischen Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hieß. Die Behörden wollen ab sofort noch stärker über Eigenschutz aufklären sowie über die Vorgangsweise bei Verdachtsfällen informieren, kündigten der stellvertretende Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Franz Lang, und Brigitte Zarfl, Ex-Gesundheitsministerin und Spitzenbeamtin des Gesundheitsressorts, an.


Nachdem das Testergebnis des 72-Jährigen am Donnerstag positiv auf SARS-CoV-2 ausgefallen war, wurden drei Krankenhausabteilungen geschlossen, eine klinische Abteilung einer internen Station, eine Intermediate-Care- sowie eine Intensivstation. Die Mitarbeiter, die in der direkten Betreuung des Patienten tätig waren, wurden nach Hause gebracht, sagte Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) bei einer Pressekonferenz. Der Gesundheitsdienst der Stadt Wien (MA 15) sei nunmehr beschäftigt, alle Kontakte des Mannes zu quantifizieren. "Wir haben in der uns überschaubaren Gruppe keinen einzigen weiteren Krankheitsfall feststellen können", sagte Michael Binder, medizinischer Direktor des KAV. Wo sich der 72-Jährige selbst angesteckt hat, konnte bisher noch nicht eruiert werden. Sein aktueller Zustand wurde von Binder als schwer erkrankt eingestuft.

Bei der Pressekonferenz im Rathaus wurde auch über einen zweiten Patienten berichtet. Bei ihm war ein erster Coronavirus-Test positiv ausgefallen. Sein klinischer Zustand sei so gut, dass er keine stationäre Betreuung im Spital braucht, sondern zu Hause in Quarantäne ist. Der Mann dürfte sich in Italien angesteckt haben. Er hatte sich selbst zur Untersuchung angemeldet.

"Es war nur eine Frage der Zeit, dass es erste Fälle in Österreich gibt", sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne). Es war klar, dass Österreich keine Ausnahme bleibe, man könne das Land nicht "unter einen Glassturz" stellen.

In Tirol wird unterdessen das infizierte Paar aus Italien über das Wochenende in der Innsbrucker Klinik bleiben müssen. Von den beiden 24-Jährigen, die sich nach wie vor in einem guten Zustand befinden, würden laufend Abstriche genommen bzw. Tests durchgeführt, so Kliniksprecherin Cornelia Seiwald. Solange nicht ein negatives Ergebnis vorliege, wolle man "kein Risiko eingehen".

SARS-CoV-2 kann die Lungenkrankheit Covid-19 verursachen. Die meisten Infizierten haben nur eine leichte Erkältungssymptomatik mit Frösteln und Halsschmerzen oder gar keine Symptome. 15 von 100 Infizierten erkrankten schwer, sagte der Chef des Robert Koch-Instituts (RKI). Sie bekommen etwa Atemprobleme oder eine Lungenentzündung. Nach bisherigen Zahlen sterben ein bis zwei Prozent der Infizierten, was höher als bei der Grippe ist. Das Virus verbreitet sich durch Tröpfcheninfektion etwa beim Husten und Sprechen. Eine Ansteckung über Oberflächen gilt weiter als unwahrscheinlich. Das gilt für Lebensmittel ebenso wie für andere Waren. Regelmäßig gründliches Händewaschen gilt als der beste Schutz.

Die Folgen, die ein Übergreifen von SARS-CoV-2 auf große Teile der Bevölkerung hätte, sind schwer abzuschätzen. Zudem gibt es anders als bei der Grippe weder einen Impfstoff noch speziell zugeschnittene Medikamente.






 

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