Er plante Amoklauf in Schule

Attentat auf Schüler

Er plante Amoklauf in Schule

Wien/Mistelbach. Es ist Mittwoch, 13.45 Uhr, als Wachsoldat Mario S. zuschlägt: Mit einer Baikal-Schrotflinte bewaffnet fährt er von seiner Kaserne in Langenlebarn nach Mistelbach. Bei der HAK angekommen, legt er auf den vor der Schule stehenden J. N. (19) 
an und trifft ihn aus 25 Metern Entfernung. Das Opfer bleibt, von mehreren Kugeln getroffen, auf dem Boden liegen. S. wirft die Waffe weg und flüchtet zu Fuß.

Fahndung. Eine Großfahndung über die Grenzen Österreichs hinweg bis ins ­benachbarte Tschechien beginnt. Am Abend gibt Mario S. auf, der Druck dürfte zu groß gewesen sein – er stellt sich gegen 21 Uhr in Wien der Polizei. Die tappt hinsichtlich des Tatmotivs auch am Donnerstag noch im Dunkeln. Wollte der Grundwehrdiener eine viel schlimmere Tat begehen?

Hätte Bluttat in HAK ein Amoklauf werden sollen?

Die Experten rätseln noch, ob Mario S. in Wahrheit einen Amoklauf geplant hatte. Was dafür spricht: S. ist ein Waffennarr, postete auf Facebook stolz Fotos von sich mit Sturmgewehr – mal allein, mal mit Kameraden. Und er liebt die Raps von Kollegah, jenem Skandal-Rapper, dessen rechtsradikale Texte beim Echo-Musikpreis 2018 in Deutschland für einen so großen Eklat sorgten, dass der Preis abgeschafft wurde. "Man hat Indizien gefunden, die auf eine mögliche weiterführende Tathandlung hindeuten", sagte NÖ Polizeisprecher Raimund Schwaigerlehner am Donnerstag. 
 
Allerdings: Mit einer Schrotflinte lässt sich schlecht ein Amoklauf begehen. Was durchaus möglich ist: Dass S. völlig in eine virtuelle Welt von Rollenspielen und Ego-Shootern eingetaucht war – er liebte World of Warcraft und das Schießspiel Half-Life. Bei solchen Computerspielen ist die erste Waffe immer eine Schrotflinte, mit der losgeballert wird. Später gibt es dann automatische Waffen.

Polizei schließt Rassismus als Motiv für die Tat aus

Tatmotiv. Das Motiv für 
die Tat war noch unklar. Einen rassistischen oder extremistischen Hintergrund schließt die Polizei nach derzeitigem Ermittlungsstand allerdings aus. Dem durch die Schrotflintenkugeln verletzten J. N. geht es „den Umständen entsprechend gut“, sagte ein Polizeisprecher.
 
Der 18-Jährige soll für wenige Monate eine Schule in dem Zentrum besucht haben, hieß es u.a. in einem Bericht der "Salzburger Nachrichten". Am Tag der Tat hatte der Grundwehrdiener laut Medienberichten dienstfrei. Er sei seit Februar beim Bundesheer gewesen und habe als unauffällig gegolten.

18-Jährige dürfte Tat angekündigt haben

Laut der Mutter habe ihr Sohn in einem Brief geschrieben, dass er sich an zwei Burschen rächen wollte "für das, was sie ihm angetan haben".
 
Ihr Sohn habe sich der Familie gegenüber niemals seltsam verhalten, erklärte die Mutter des 18-Jährigen, der für wenige Monate die Schule in Mistelbach besuchte, dem Bericht zufolge. Er habe damals selbst die Schule verlassen wollen, von Problemen mit Mitschülern habe er nicht gesprochen. "Er war bis jetzt immer ein ganz normaler Jugendlicher, zwar immer sehr ruhig, aber psychisch stabil meiner Meinung nach", hieß es demnach in einer Stellungnahme der Frau. Es breche ihr das Herz und sie mache sich schreckliche Vorwürfe, nichts gemerkt zu haben.
 
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Gewalt unter Teenagern nimmt immer mehr zu

Erst Anfang Mai stach ein 16-Jähriger einen 14-jährigen Mitschüler in Wien fast tot. Experten und Politiker schlagen Alarm: Unsere Schulen haben ein Gewaltproblem, und das nicht erst seit der Schießerei des Teenagersoldaten in Mistelbach diese Woche oder der Messerstecherei zweier Jugendlicher (14, 16) auf dem Weg zur Schule in Wien-Währing Anfang des Monats.
 
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»Es geht fast immer um Ehrenbeleidigung«

Rassismus. Es häufen sich die Fälle von Gewalt, denen Ehrenbeleidigungen unter Migrantenkindern vorangegangen sind. Direktor Christian Klar von der Neuen Mittelschule in Wien-Floridsdorf: „Wir haben ­einen massiven Nationalismus und Rassismus der einzelnen Volksgruppen, ob Türken, Serben oder Tschetschenen. Diesen Rassismus muss man bekämpfen. Der hat hier keinen Platz.“
 
Gewalt-Umfrage. Eine Umfrage unter 30.000 Schülern in Österreich durch die Bundesschülervertretung ergab: Zwei Drittel der Schüler (68 Prozent) ­haben bereits die eine oder andere Form von Gewalt 
in der Schule erlebt. Ver­bale Gewalt hat die Hälfte der Schüler bereits mit­erlebt, körperliche Gewalt jeder Fünfte.
 
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