Michael Häupl ist jetzt Ehrenbürger von Wien

Urkunde überreicht

Michael Häupl ist jetzt Ehrenbürger von Wien

Wien. Der ehemalige Wiener Bürgermeister Michael Häupl, der am morgigen Samstag seinen 70. Geburtstag begeht, ist nun auch Ehrenbürger von Wien. Amtsnachfolger Michael Ludwig (SPÖ) überreichte dem Jubilar am Freitag im Rahmen einer feierlichen Zeremonie die Urkunde. Auch auf einer Tafel vor dem Stadtsenatssitzungssaal ist Häupls Name nun vermerkt.

"Das ist eine Würdigung, die ganz selten vergeben wird", versicherte Ludwig. Der Laudator, der frühere Raiffeisen-Generalanwalt und Ex-Flüchtlingskoordinator Christian Konrad, konstatierte, dass die drei letzten Ehrenbürger zum Zeitpunkt ihrer Ernennung mindestens 80 Jahre alt waren: "Das ist ein Beweis für die Toleranz des Herrn Bürgermeisters, im Gegensatz zu seinem Vorgänger." Die Genannten waren noch von Häupl in die Riege der Geehrten aufgenommen worden.

Konrad ließ das Leben des langjährigen Stadtoberhaupts Revue passieren - und verwies auch auf seine Herkunft: "Wie viele Wiener bist du in Niederösterreich geboren." Dass Häupl als Biologe über die Schädelkinetik bei Gekkoniden promoviert hat, beeindruckte den Laudator sichtlich. Diese Arbeit habe er "sicher nicht abgeschrieben", weil es zu diesem Thema wohl noch keine gegeben habe.

Er erinnerte auch an Häupls Tätigkeit als Umweltstadtrat. "Du warst die Ulli Sima der 80er Jahr", hielt Konrad fest. Später als Bürgermeister habe sich Häupl als "Weltmeister im Delegieren" nie sehr ausführlich mit den Tagesthemen beschäftigt. Damit habe er auch meist nicht "opportunistisch" auf die aktuellen Fragen der Tagespolitik reagieren müssen.

"Er hat sich nie angebiedert", lobte Konrad. Das habe auch für den Umgang mit den Medien gegolten: "Er war zu stark und zu gelassen, um zu intervenieren." Auf Häupl sei auch 2015 - also während der Flüchtlingsbewegung - Verlass gewesen. "Der Michael Häupl hat Haltung. Schwer auszudenken, wohin sich Österreich entwickelt hätte, hätte es nicht Wien gegeben mit einem Bürgermeister, der die Linie vorgibt und einem Peter Hacker (ehemaliger Chef des Fonds Soziales Wien und nunmehriger Stadtrat, Anm.), der die tägliche 24-stündige Arbeit macht."

Häupl habe ohne Zweifel Charisma: "Wenn er wo hinkommt, dann weiß man, dass er da ist. Und wenn er dann ab und zu noch seinen zweifelsohne vorhandenen Charme spielen lässt, dann mögen ihn die Menschen natürlich."

Der gewürdigte Altbürgermeister bedankte sich - und nutzte die Gelegenheit für einen Appell an die Kolleginnen und Kollegen in der aktiven Politik. Diese sollten auch in Wahlkampfzeiten Vorbilder sein und respektvoll auch in der Wortwahl miteinander umgehen, empfahl er. Stolz zeigte sich Häupl unter anderem darüber, dass es in Wien gelungen sei, die Chancen, die der Beitritt zur Europäischen Union gebracht habe, zu nutzen. Und er bedankte sich nicht nur beim Laudator, sondern auch bei den Wienerinnen und Wienern - dass diese es ihm erlaubt hätten, über eine so lange Zeit der Stadt als Bürgermeister vorzustehen und für Wien arbeiten zu dürfen.

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