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Rote-Schlacht um Lercher

240.000 Euro: Was im brisanten SPÖ-Vertrag steht

Nach ÖSTERREICH-Bericht über einen externen Beratervertrag fliegen in der SPÖ die Fetzen.
Wien. „Die bringen sich ge­rade alle gegenseitig um“, zeigte sich gestern ein SPÖ-Spitzenfunktionär über den jüngsten roten Konflikt im ÖSTERREICH-Gespräch entsetzt. Anlassfall dieser Eskalation in Rot sind wieder einmal SPÖ-Verträge und verfeindete SPÖ-Lager.
 
ÖSTERREICH hatte am Samstag von einem „Beratervertrag zwischen der SPÖ-Bundesgeschäftsstelle und Max Lercher als Leykam-Geschäftsführer“ in Höhe von 20.000 Euro im Monat, also 240.000 Euro im Jahr, berichtet. Mehrere SPÖ-Vorstandsmitglieder hatten ÖSTERREICH bestätigt, dass die Parteiführung in ihrem Vorstand am Freitag „sieben Beraterverträge mit Externen“, darunter jenen mit Lercher, offengelegt hatte. Lercher fühlt sich nun als „Opfer“ einer „SPÖ-In­trige“. Die SPÖ bestätigt den Vertrag zwischen Lercher als Leykam-Chef und der SPÖ. Was steht aber wirklich in diesem Vertrag?
 

Ablöse als SP-Manager im Herbst, Vertrag im Februar

 
Lercher selbst gibt an, dass es ein „Leistungsvertrag“ sei. Er verdiene als Geschäftsführer der Leykam Medien AG weiterhin nur „6.000 Euro im Monat“. Über weitere Details dürfe er aufgrund einer Verschwiegenheitsklausel (von der er entbunden werden möchte) nicht reden. Die SPÖ will „über Vertragsinhalte“ ebenfalls keine Auskunft geben.
 
  • Ex-SPÖ-Geschäftsführer Lercher, der im Herbst 2018 von SP-Chefin Pamela Rendi-Wagner abgelöst wurde, wurde Anfang Februar 2019 Geschäftsführer der Leykam AG – diese ist zu 80 Prozent im Besitz der Spectro, die wiederum eine 100-Prozent-Tochter der SPÖ Steiermark ist.
  • Zum Zeitpunkt, als Lercher übernahm, war die Leykam AG „eine leere Firmenhülle ohne Wirtschaftstätigkeit“, so die Kleine Zeitung damals.
     
  • Mitte Februar – die Ablöse von Lercher als Parteimanager sorgte SP-intern und öffentlich für einen riesigen Wirbel – schloss die SPÖ-Bundesgeschäftsstelle plötzlich einen Vertrag mit ebenjener Leykam AG. Vertragsunterzeichner: der damalige SPÖ-Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda und Max Lercher als „Geschäftsführer“ der Leykam AG. Wie in solchen Fällen üblich – dasselbe galt etwa für den SP-Leistungsvertrag mit der Firma von Tal Silberstein 2016 – wurde festgelegt, dass monatlich 20.000 Euro von der Bundes-SPÖ an diese Tochterfirma der SPÖ Steiermark fließen.
     
  • Damit konnte Max Lercher drei weitere einstige Mitarbeiter der Bundes-SPÖ anstellen und die Leykam in ein Campaigning-Büro umwandeln.
 

"Erstellung von Konzepten, digitale Kommunikation"

 
Als konkrete Leistungen dieses SPÖ-Vertrages mit Leykam/Lercher stehen explizit „Er­stellung von Konzeptionen“, „Datenmanagement“, „digitale Kommunikation“ sowie „Strategie“, „Beratung“ und "Digital Cmapaigning" drinnen.
 

Lercher hatte Campaigning-Vertrag

 
Das Lercher-Lager und die Gegner der SP-Führung werfen Bundesgeschäftsführer Deutsch vor, er habe es im Vorstand so dargestellt, als würde Lercher 20.000 Euro als persönliche "Gage" erhalten und keine Leistungen dafür erbringen. Damit hätte die Führung versucht, einen „Rebellen“ auszuschalten. Deutsch wiederum droht nun mit Klage gegen die Behauptung, er habe gelogen.
 
Ex-SP-Geschäftsführer Thomas Drozda hatte im April 2019 über Lercher erklärt: „Ich habe ihn eingeladen, uns im digitalen Campaigning zu unterstützen. Ich freue mich sehr über seine Unterstützung“, die er via Leykam übe. Lercher selbst sagt nun, „das Projekt dient nicht der Versorgung“. Neben diesem Leykam-SPÖ-Vertrag organisierte Lercher übrigens mit einer Tochterfirma der Leykam noch mehrere Events für die SPÖ, darunter die „Rot-Show“ für Rendi-Wagner im Nationalratswahlkampf. Dafür soll die Leykam noch zusätzlich Geld kassiert haben. Öffentlich transparent wurden all diese Details bislang jedenfalls von keiner Seite der SPÖ gemacht.
 
Fakt ist, dass der Krieg in der SPÖ eine neue Dimension erreicht hat. Der Kärntner SPÖ-Chef Peter Kaiser tobt im Standard: „Ich frag mich, wie dumm kann man nur sein? Wir nutzen jede Chance, in ein Fettnäpfchen nach dem anderen zu hüpfen.“
 
Isabelle Daniel
 

Brief an SP-Vorstand: Verärgerter Deutsch droht mit Klage

 
In einer E-Mail an die Vorstandsmitglieder hat SP-Manager Christian Deutsch den Vorwurf zurückgewiesen, falsch über den Vertrag informiert zu haben. Gegen Behauptungen auf Twitter, er habe gelogen, droht er mit Klage.
 
Video zum Thema: Querelen in der SPÖ

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