Erste Bilder: Der Spionage-Koffer der Ibiza-Bande

Komplize packte bei Kripo aus

Erste Bilder: Der Spionage-Koffer der Ibiza-Bande

Der nächste Mosaikstein zur Aufklärung des Ibiza-Krimis: Jetzt gestand ein Komplize alles, er lieferte für einen Haupttäter der Bande, Detektiv H., einen Spionagekoffer von Wien auf die Insel.

Diese neue Zeugenaussage des mutmaßlichen Komplizen vor der Soko Ibiza, die jetzt der Investigativplattform eu-infothek.com und auch ÖSTERREICH vorliegt, bringt enorm viel Licht in das Dunkel des Politthrillers, der die Ex-FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus im Vorjahr ihre Jobs gekostet hat: Bei seiner Befragung durch die Kripo spricht der in Wien lebende S. (39) Ende Dezember ganz offen über einen der beiden Haupttäter im Ibiza-Krimi, Detektiv H.. Und der gebürtige Bulgare erzählt detailliert, wie er von diesem  Bekannten 2017 für "einen Job" angeheuert worden ist. Laut Ermittlerkreisen sollen der Detektiv H. und der Wiener Anwalt M., der mit einem TV-Starlet liiert war, die Drahtzieher der "Aktion Ibiza" sein.

"Alles Hostessen"

"Seine Freundinnen waren eigentlich alles Hostessen und Huren. Öfters haben auch irgendwelche Hostessen bei ihm gewohnt", erzählt der Zeuge S. bei der Einvernahme vor der Soko über seinen Bekannten, den Detektiv H. Und er spricht auch über dessen Drogenkonsum. Dazu ein Zitat aus der Zeugeneinvernahme: "Er hat eigentlich immer Kokain gezogen und manchmals auch mich auf eine Line Koks eingeladen. Er ist ein sehr verschlossener Typ, wechselte oft die Fahrzeuge. Das waren BMW oder Audi mit deutschen Kennzeichen. Er hat mir erzählt, dass er wegen Kokain im Gefängnis gesessen sei." Für alle erwähnten Personen gilt die Unschuldsvermutung.

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Im Frühling 2017 hätte ihm der Detektiv dann einen Job angeboten: 1000 Euro, wenn S. einen Koffer nach Ibiza bringe. Der mögliche Komplize wörtlich: " Ende Juli 2017 war es dann so weit: Wir trafen uns bei ihm, er fuhr mit seinem Pkw aus der Garage und übergab mir einen dunklen Koffer. Weiters meinte er, ich müsse nicht unbedingt in den Koffer reinschauen."

Geheimkameras in Lichtschalter

Der mutmaßliche Komplize hielt sich aber nicht daran: Am Weg zum Flughafen Wien-Schwechat öffnete S. in der S-Bahn den Koffer. Er war überrascht, sagte er der Kripo: "Ich sah diverse elektronische Geräte, Kabeln sowie Kleidung von Damen und Herren." Der Inhalt dieses Spionagekoffers war tatsächlich hochbrisant: H. ließ sich darin in Lichtschalter eingebaute Geheimkameras nach Ibiza liefern, ebenso ein kleines Würfelradio mit eingebauter Kamera, dazu auch winzige Knopf-Mikrofone. Ermittler meinen: Die sehr auffälligen Kameras, die im bekannten Ibiza-Video deutlich zu sehen sind, seien als Ablenkung für die tatsächlich in der Finca verwendeten Mini-Kameras platziert worden.

Die Reise des S. war jedoch kein besonders angenehmer Ausflug: Der gebuchte Flug von Wien nach Ibiza dauerte mit Zwischenstopps acht Stunden - und er musste die eine Nacht im Hotel selbst bezahlen. Der Zeuge: "Mir wurden für alles 1000 Euro in Hunderter-Banknoten übergeben." Prof. Gert Schmidt von eu-infothek.com: "Dem Bekannten von H. blieben vielleicht 250 Euro als ,Lohn der Angst'."

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Nur wenige Stunden nach der Koffer-Lieferung trafen auch Detektiv H. und die falsche "Oligarchin" auf der Ferieninsel ein. Sie bereiteten dann alles für die Video-Falle für Strache und Gudenus in der Finca vor. Detektiv H. hat nach der Aktion jeden Kontakt mit seinem Kofferboten abgebrochen, erzählt dieser der Kripo: Er wisse vom Umfeld des H. nur, dass es noch einen Bekannten Z. gebe und H. öfters über einen Rechtsanwalt gesprochen hat. Zitat: "Das soll sein bester Freund sein."

Richard Schmitt

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