Video zum Thema Ex-ÖGB-Chef Hundstorfer im Portrait
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Überraschender Tod

Ex-Minister gestorben: Hundstorfer im Porträt

Wien. Der verstorbene Ex-Minister Rudolf Hundstorfer (67) hat eine lange Polit-Karriere hinter sich. Der als leutselig und beliebt beschriebene Wiener galt vielen als "Retter" des ÖGB, im Anschluss folgte der "logische" Wechsel ins Sozialministerium. Den Abschluss bildete die (gescheiterte) Präsidentschaftskandidatur. Aktiv blieb Hundstorfer bis zuletzt, etwa als Präsident der Bundes-Sportorganisation.

Aus finanzschwachen Verhältnissen arbeitete sich der 1951 geborene Hundstorfer im Wiener Rathaus vom Kanzleimitarbeiter bis zum Chef der Gemeindebediensteten-Gewerkschaft hoch, ohne die in Wien bis heute so gut wie gar nichts geht. Nebenbei wurde er Anfang der 1990er-Jahre Abgeordneter des Wiener Landtags und Gemeinderats, in dem er von 1995 bis 2007 auch den Vorsitz führte.
 
Die große Karriere kam spät: Als nach dem BAWAG-Debakel niemand so recht an die Spitze des ÖGB wollte, übernahm dort Hundstorfer im Jahr 2006 das Ruder und profilierte sich: Dass der Gewerkschaftsbund seine größte Krise übertauchen konnte, gilt auch als dessen Mit-Verdienst.
 

Retter des ÖGB

Als Retter des ÖGB war dann nach der Nationalratswahl 2007 sein Wechsel ins Sozial- und Arbeitsministerium im Jahr 2008 (unter Rot-Schwarz im Kabinett Werner Faymann) fast schon die logische Folge. Dort blieb Hundstorfer gut sieben Jahre. Anfangs profitierte Hundstorfer von den guten Daten am Arbeitsmarkt und schaffte ohne Aufstand eine gar nicht so kleine Pensionsreform. Auch wurde unter seiner Ära die Ausbildungsgarantie in die Wege geleitet.
 
Sein letzter großer politische Schritt blieb ihm verwehrt: Als Bundespräsidentschaftskandidat der SPÖ scheiterte er 2016 bei der letzten Hofburg-Wahl in der ersten Runde und wurde nur Vierter. Dabei war Hundstorfer kein Verlegenheitskandidat: Wer ihn kannte wusst, dass er gerne die Nachfolge Heinz Fischers angetreten hätte. Im Wahlkampf schien der stets mit hohen Beliebtheitswerten ausgestattete Ex-Sozialminister dann aber zunehmen missmutig; Beobachter meinten damals, ihm habe es auf den Magen geschlagen, dass ihm die Herzen plötzlich nicht mehr automatisch zuflogen. Zudem kamen seine rhetorischen Defizite in einem Medien-Wahlkampf deutlicher zu Tage als seine zweifelsohne vorhandene Gabe, mit dem Volk im direkten Kontakt auf Augenhöhe zu kommunizieren.
 
Nach seinem Aus im Präsidentschaftswahlkampf blieb Hundstorfer bis zuletzt als Funktionär aktiv. Kurz nach der gescheiterten ersten Runde der Präsidentschaftswahl wurde der in dritter Ehe verheiratete Vater einer Tochter im November 2016 zum neuen Präsidenten der Österreichischen Bundes-Sportorganisation (BSO) gewählt, dem er bis zu seinem Tod vorstand.
 

Präsident der Volkshilfe

Darüber hinaus fungierte Hundstorfer seit Mai 2018 auch als Präsident der Volkshilfe Wien. In dieser Funktion hatte er erst am Dienstag der vergangenen Woche seinen letzten öffentlichen Auftritt. "Hinsehen, wo andere wegsehen - helfen, wo sich andere taub stellen. Das ist das Credo der Volkshilfe Wien und unser zentraler Ansatz der Wohnungslosenhilfe", sagte Hundstorfer anlässlich der Eröffnung einer neuen Sozialeinrichtung für obdach-und wohnungslose Menschen in Wien-Donaustadt.
 

Zur Person

Rudolf Hundstorfer, geboren am 19. September 1951 in Wien, zum dritten Mal verheiratet, eine Tochter und zwei Stiefkinder, beruflich als Kanzleibediensteter und Verwaltungsbeamter tätig. Politischer Werdegang: 1967 Jugendvertrauensmann, ab 1976 freigestellter Personalvertreter, Abgeordneter des Wiener Landtags und Gemeinderats von 1990-2007, dabei Vorsitzender des Gemeinderats von 1995-2007, ab 2001 Geschäftsführender Vorsitzender der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten, 2003 GdG-Vorsitzender, 2006 ÖGB-Präsident, 2008-2016 Sozialminister, 2016 Bundespräsidentschaftskandidat, ab 2016 BSO-Präsident, seit 2018 Präsident der Volkshilfe Wien.
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