LH im Interview

Doskozil: "Mache trotz Krankheit weiter"

Burgenlands Doskozil startet in den Wahlkampf – allen Stimmproblemen zum Trotz.

 

Es war ein Triumph – mit 99 % wurde Hans Peter Doskozil beim Landesparteitag der SPÖ Burgenland zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im Jänner 2020 gekürt. Das ist keine Selbstverständlichkeit: Wie die ÖSTERREICH-Leser wissen, musste sich Doskozil letzten Monat schon der zweiten Stimmband-OP unterziehen. Und eine dritte wird 2020 folgen müssen. Mitten im Wahlkampf steht er fast ohne Stimme da – es sind schwere Tage für den ehemaligen Polizisten.

Geschlossen. Seine Partei steht jedenfalls geschlossen hinter ihm: Im ÖSTERREICH-Interview versicherte der Burgenländer nicht nur, dass er, abgesehen von seiner Heiserkeit, gesundheitlich voll da ist, er geht auch mit der Bundes-SPÖ scharf ins Gericht, die sei derzeit nicht bereit für eine Regierungsbeteiligung.

Stirnrunzeln nach Sager
von Rendi-Wagner

Gekommen ist gestern übrigens auch die gesamte Parteiprominenz. Die Rede von SP-Chefin Pamela Rendi-Wagner sorgte dann für Stirnrunzeln: „Deine Stimme mag zwar durch die Operation noch heiser sein. Es gibt aber im Burgenland keine kräftigere, keine stärkere Stimme für die Menschen in diesem Land“, sagte sie in Richtung Doskozil.

Doskozil: "SPÖ hat keinen Auftrag für Gang in Bundesregierung"

ÖSTERREICH: Wie geht es Ihnen nach der zweiten OP?

Hans Peter Doskozil: Meine Stimme ist noch beeinträchtigt: Für einen Politiker, wie Sie sich vorstellen können, eine schwierige Situation. Mit Training und anderen Maßnahmen verbessert sich das jetzt sukzessive. Vor zwei Wochen konnte ich noch gar nicht sprechen. Bei der Budgetrede im Landtag am Donnerstag ging es schon ganz gut.

ÖSTERREICH: Ist es nicht sehr belastend, wenn es jetzt heißt, es sei noch eine Operation nötig.

Doskozil: Natürlich ist das nicht einfach. Aber für mich ist ausschlaggebend, dass die ­Problematik behandelbar und nach diesem Eingriff – voraussichtlich im 1. Halbjahr 2020 – alles wieder in den Griff zu bekommen ist. Und mir war auch wichtig, die Bevölkerung über meine gesundheitliche Verfassung zu informieren – das sehe ich als Gebot der Transparenz.

ÖSTERREICH: Sie haben bei Ihrer Budgetrede betont, Sie hätten keinen Krebs. Offenbar wurden da ja Gerüchte gestreut. Wie gehen Sie damit um?

Doskozil: Mir geht es grundsätzlich darum, dass gesundheitliche Fragen nicht zum ­politischen Spielball gemacht werden – das tue ich nicht und das sollten auch andere nicht tun. Ich ersuche nur um einen fairen und objektiven Umgang. Mir geht es nicht anders als ­vielen Menschen, die mit einer gesundheitlichen Problematik konfrontiert sind und trotzdem ihre Leistung – ob in der Familie oder im Beruf – bringen müssen.

ÖSTERREICH: Abgesehen von Ihrer Stimme, sind Sie also voll „einsatzfähig“?

Doskozil: Natürlich. Ich habe auch keine Schmerzen. Wir als Landesregierung haben versprochen, bis zum Ende der Periode zu arbeiten und neben wichtigen Projekten – Pflegereform, Mindestlohn, Gratiskindergarten, Biowende – auch das Budget zu beschließen. Da sind wir voll im Plan!

ÖSTERREICH: Sie machen also nach der Landtagswahl weiter.

Doskozil: Selbstverständlich.

ÖSTERREICH: Zur SPÖ: Sie waren immer wieder für eine Regierungsbeteiligung – jetzt scheint es eher Türkis-Grün zu werden. Eine Enttäuschung für Sie?

Doskozil: Nein, wir haben bei der Nationalratswahl das schlechteste Ergebnis in der Parteigeschichte erzielt – das ist kein Auftrag zu einer Regierungsbeteiligung.

ÖSTERREICH: Soll die SPÖ der ÖVP nicht doch ein konkretes ­Koalitionsangebot machen?

Doskozil: Nochmals: Aus dem Wahlergebnis lässt sich in keiner Weise ableiten, in die Regierung einzutreten oder Koalitionsangebote zu machen.

ÖSTERREICH: Wie schlägt sich Pamela Rendi-Wagner?

Doskozil: Wir sind als Gesamtpartei gefordert, den Karren wieder flottzukriegen und jeder in seinem Bereich für optimale Ergebnisse zu sorgen. Da sollte jeder auf seinen eigenen Verantwortungsbereich schauen und keine „Haltungsnoten“ über andere vergeben.

ÖSTERREICH: Ist sie die richtige Frau an der Spitze der Partei?

Doskozil: Sie ist die gewählte Parteivorsitzende, hat die Partei zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt übernommen und Kampfeswillen bewiesen. Wir sollten nicht der Illusion verfallen, dass die Probleme der SPÖ durch eine Personaldebatte zu lösen sind. In Wahrheit geht es darum, wie wir in unseren Kernthemen wieder glaubwürdig werden: Mindestlohn, faire Einkommen, Pflege, Gesundheit, natürlich auch Sicherheit. Um auf Kreisky zu verweisen: Leistung, Aufstieg, Sicherheit. Das zeigen wir im Burgenland vor. (gü)

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