Ibiza-Krimi: Für Tätergruppe fällt Vorhang

Neue Zeugeneinvernahme, 9 Beteiligte

Ibiza-Krimi: Für Tätergruppe fällt Vorhang

Kokain beim Ibiza-Anwalt, ein Krone-TV-Starlet schwer beschuldigt, eine weitere Zeugeneinvernahme mit Brisanz - die Kripo-Ermittlungen laufen gut. Jetzt liefert ÖSTERREICH das "Who's who" zur Causa.

Der Ibiza-Krimi geht weiter: „Es sieht ganz gut aus, wir wissen schon viel“, verrät ein Insider im Innenministerium im Hintergrundgespräch mit ÖSTERREICH einiges zu den Ermittlungen der „Soko Tape“, besser bekannt als „Soko Ibiza“. Immer besser würde sich das Motiv abzeichnen: Bei der Fallenstellung für Heinz-Christian Strache ging es „um viel Persönliches, um Rache – und auch um Geld“.

Das politische Motiv für die Video-Produktion sei „erst später dazugekommen“, sagt der Kriminalist. Und die Tätergruppe rund um den geständigen Wiener Anwalt M. hätte „ziemliche Probleme gehabt, das Video zu verkaufen, einen Hehler dafür zu finden“.

Ob schon bald die Handschellen klicken und Tatverdächtige sowie mögliche BeitragstäterInnen dieser Gruppe in Untersuchungshaft genommen werden könnten, wollte der Ermittler noch nicht sagen. Fix ist jedoch: In der Ibiza-Tragikomödie könnte schon bald der Vorhang für die ganze Tätergruppe fallen.

„Operative Ebene“ des 
Ibiza-Coups jetzt bekannt

Der mutmaßliche Täterkreis, der bei der Planung und Produktion des Ibiza-Videos involviert war, ist jedenfalls auch durch eine neue Zeugenaussage vor der „Soko Tape“ besser bekannt geworden. Dieser Zeuge redete auch mit ÖSTERREICH über die neun involvierten Personen, für die alle die Unschuldsvermutung gilt:

Anwalt M., in dessen Wohnung in Wien-Währing wurde bei einer Hausdurchsuchung im August auch Kokain gefunden, er gilt als einer der mutmaßlichen Drahtzieher. M. hat bereits ein Geständnis abgelegt, das Kokain „gehöre aber nicht ihm“. Das wirft wieder eine Frage auf: Wem dann? Einer Mitbewohnerin?

Krone-TV-Moderatorin W. hat nun gegenüber ÖSTERREICH zugegeben, auch kurz vor der Veröffentlichung des Ibiza-Videos und auch danach Kontakt mit Anwalt M. gehabt zu haben. Über ihren Krone-Job kam sie ab 2018 immer wieder zu Treffen mit Ex-Vizekanzler Strache und Sebastian Kurz. Sie erfuhr viel über die damals gute Zusammenarbeit der beiden – und über wichtige Pläne der türkis-blauen Koalition, etwa zum „ORF neu“. W. wird seit kurzem auch vom Anwalt Straches beschuldigt: Sie hätte bereits 2015 erwähnt, dass sie den Kauf einer angeblich mit Kokainspuren belasteten Haarlocke von FPÖ-Chef Strache vermitteln könnte.

Eine gute Bekannte der Krone-TV-Lady ist die schöne Wiener Immobilienmaklerin und Party-Managerin M. Wie es der Zufall will, hat sie Johann Gudenus mit einem vorgespielten Grundstück-Deal mit der späteren „Oligarchin“ bekannt gemacht, die tatsächlich eine Serbin ist. Die Maklerin war bis 2015 eine sehr, sehr gute Freundin von Gudenus, dann des Ex-FPÖ-Chefs, bevor Strache seine jetzige Gattin Philippa kennenlernte. Sowohl diese Luxus-Immobilien-Dealerin als auch deren späterer Ehemann, ein Multi-Millionär, machten wenig Hehl aus ihrem Hass gegenüber Strache.

In dieser Clique wurde auch immer wieder R. gesehen, der Polizist und langjährige Sicherheitschef des FPÖ-Chefs, der absolutes Vertrauen zu ihm hatte. Er soll die Gruppe mit Infos über Heinz-Christian Strache versorgt haben, dann soll er die (gefälschten?) Spesenbelege des Vizekanzlers vor der Nationalratswahl im Herbst an Anwalt M. übergeben haben. Der auffallend luxuriös lebende Sicherheitschef R. hatte über Anwalt M. auch Kontakt zu Detektiv H..

Detektiv H. war im Sommer 2017 der Begleiter und Instruktor der Serbin, die sich in der Finca in Ibiza als Oligarchin ausgegeben hat. H. führt eine Sicherheitsfirma, in der auch Anwalt M. als Jurist genannt wird. Diese Firma beschäftigte auch Ex-Heeresnachrichtendienstler und Ex-Offiziere serbischer Spezialeinheiten aus dem Balkankrieg, und sie übernahm Aufträge der österreichischen Exekutive. ÖSTERREICH hat das bereits dokumentiert. Mit Anwalt M. hat der Detektiv eine Firma in Bosnien, die laut Google-Maps in einer aufgelassenen Tankstelle bei Brcko untergebracht ist.

Wie Anwalt M. war auch sein Anwalts-Kollege Konzipient bei einer bekannten Wiener Rechtsanwaltskanzlei, deren Eigentümer eine große Nähe zur SPÖ hat. Er war monatelang Chef der „Sektion ohne Namen“ der SPÖ, ebenso Kronzeuge in der Alpbach-Grapsch-Affäre um Peter Pilz (drei Monate nach dem Ibiza-Dreh 2017) und wurde auch von der „Soko Tape“ einvernommen: Zwei Bekannte von ihm, ein Mitglied dieser Sektion und dessen Lebensgefährte, haben ja auf das Ende der schwarz-blauen Regierung Mitte Mai 600 € bei einem Wettbüro gesetzt.

Zu diesen Verbindungen wurde von der „Soko“ im Oktober ein weiterer Zeuge einvernommen. Der erinnerte auch an einen weiteren Tatverdächtigen aus der „Sektion ohne Namen“ der SPÖ: Dieser junge Video-Künstler mit iranischen Wurzeln nahm sich nur zwei Monate nach dem Dreh des Ibiza-Videos das Leben. Sein Bruder dementierte im Gespräch mit ÖSTERREICH aber jeden Zusammenhang mit dem Krimi: „Das war eine Privatsache.“ Die „Soko Tape“ ging der Sache trotzdem nach, es fand im Sommer sogar eine Hausdurchsuchung in der elterlichen Wohnung des Video-Künstlers statt.

Zu den möglichen Auftraggebern fehlen aber weiterhin entscheidende Hinweise.

Richard Schmitt

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