Kirchen-Streit: Mehrheit für Rebellen

Unfrage-Ergebnis

Kirchen-Streit: Mehrheit für Rebellen

77 Prozent für Initiative. Und: Schüller beliebter als der Kardinal.

Das Selbstbewusstsein der Kirchenoberhäupter ist in der katholischen Kirche quasi nicht zu erschüttern, dennoch birgt diese Umfrage Zündstoff. Denn der Sieben-Punkte-Katalog von Rebellen-Pfarrer Helmut Schüller, in dem Reformen, wie weibliche Priester oder die Abschaffung des Zöli­bates, gefordert werden, ­findet in einer aktuellen Oekonsult-Umfrage mehr als nur Zustimmung. Insgesamt 76,5 Prozent stehen ganz auf der Seite der Pfarrer-Initiative.

Frauen & Zölibat
Vor allem die Benachteiligung von Frauen im Priesteramt und die Diskriminierung der Familie sind die wichtigsten Kritikpunkte. 31 Prozent fordern, dass auch Frauen und Verheiratete Priester werden dürfen. Zweiter Punkt ist die Abschaffung des Zölibates, also die Aufhebung der „lebenslangen Enthaltsamkeit“ für Priester. 24 Prozent finden: Der Zölibat muss weg.

Seit Wochen tobt ein Streit zwischen Amtskirche und den Rebellen. Nun ist zumindest klar, dass das Kirchenvolk selbst diese Art des „Ungehorsams“ schätzt und unterstützt. Initiator Helmut Schüller, einst Wiener Generalvikar, mittlerweile wegen seiner kritischen Haltung zur Kirche nur einfacher Pfarrer in Probstdorf (NÖ), sieht sich bestätigt. „Ich freue mich darüber, aber wir haben mittlerweile auch Unterstützer aus ­Irland, den USA und sogar Mexiko. Unsere Initiative ist international“, so Schüller. Doch nicht nur das, auch in punkto Sympathie hat Schüller den Kardinal schon überholt – 74,7 Prozent finden ihn sympathischer als Schönborn, der nur 65,6 Prozent bekommt.

Kapellari kontert
Die Kirche reagierte auf die Initiative bislang eher genervt, Kardinal Schönborn stellte Schüller bereits Sanktionen in Aussicht – also auch eine Amtsenthebung als Pfarrer. Der steirische Diözesanbischof Egon Kapellari in der ZIB2: „Über manches kann man reden, aber nicht darüber, Frauen zu Priestern zu machen.“ Auch die Aufhebung des Zölibates sei ausgeschlossen. Konsequenzen für die kritischen Pfarrer lässt Kapellari „optimistisch offen“.
 

"Würde auch mit Sanktionen leben"

ÖSTERREICH: Herr Monsignore Schüller, die Mehrheit der Katholiken steht laut einer Umfrage hinter der Pfarrer-Initiative. Was bedeutet dieser Rückenwind für den Kirchenstreit?
Helmut Schüller: Es ist ein Ziel von uns gewesen, zu zeigen, dass diese Forderungen nicht eine Idee von ein paar irren Pfarrern sind, daher freut es mich, dass mittlerweile so viele Menschen hinter dieser Initiative stehen.

ÖSTERREICH: Von Kardinal Christoph Schönborn abwärts gibt es diesbezüglich aber kein Entgegenkommen, im Gegenteil: Sie könnten sogar Ihr Amt als Pfarrer verlieren …
Schüller: Sanktionen müssen auch erst einmal ausgesprochen werden – und selbst wenn, könnte ich mir vorstellen, auch sanktioniert weiterzuarbeiten. Denn auch wenn das einige nicht so sehen wollen: Ich gehöre zur katholischen Kirche, das ist meine Heimat.

ÖSTERREICH: Ein Kirchengipfel ist im Gespräch. Könnten damit Ihre Forderungen umgesetzt werden?
Schüller: Die Forderungen sind nicht verhandelbar, denn alles ist umsetzbar. Und zu einem Kirchengipfel: Wenn das nur wieder solche Gespräche werden, wo Forderungen in einem ,Begräbnis erster Klasse‘ münden, ist das nicht sinnvoll. Aber nochmal: Wir sind keine Verhandler, es ist das ganze Kirchenvolk.

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