Türkis-Grün: Lieblingsvariante mit Hürden

Koalitions-Krimi: Wer kann mit Kurz regieren?

Kommende Woche will Sebastian Kurz seinen Sondierungsmarathon fortsetzen.
Wien. Zwar tut er dies nur noch mit zwei von vier Parteien (FPÖ und SPÖ haben sich selbst aus dem Spiel ­genommen) – das heißt aber keineswegs, dass dem ÖVP-Chef nur noch zwei Optionen bleiben. Ein Überblick:
 

SZENARIO 1. Türkis-Grün: logisch, aber schwierig

 
„Koalition der Gewinner“ – die Erzählung würde schon einmal stimmen. Zumal der Ruf nach großen Würfen im Klimaschutz immer lauter wird. Kurz könnte mit Türkis-Grün als Vorreiter in der EU wieder internationale Schlagzeilen machen. Und auch die Grünen sind nicht abgeneigt. Allerdings: Der Weg dahin verspricht ein langer zu werden. Werner Kogler deutete es nach dem letzten Treffen selbst an: Die Herausforderung sei, dass „zwei Wahlsieger miteinander sprechen, die nicht für das Gleiche gewählt wurden“. Inhaltlich gehen die Parteien teils weit auseinander. Dann sind da noch die vielen grünen innerparteilichen Stolpersteine. Ein weiteres Vieraugengespräch von Kurz und Kogler ist jedenfalls für morgen angesetzt.
 

SZENARIO 2. Türkis-Grün-Pink: Neos als Vermittler

 
Die als „Dirndl-Koalition“ bezeichnete Variante wurde vor der Wahl von Politbeobachtern mit Blick auf die Umfragewerte gerne ventiliert. Sie gilt mit dem tatsächlichen Wahlergebnis aber jetzt als wesentlich weniger wahrscheinlich: Denn rein rechnerisch brauchen ÖVP und Grüne die Neos nicht. Ganz aus dem Spiel sind sie dennoch nicht, wie Kogler selbst einräumt. Der Vorteil: Die Pinken könnten als Vermittler fungieren. Wo ÖVP und Grüne Übereinstimmung vermissen lassen, gibt es welche mit den Neos. Nachteil: Abstimmung unter drei Partnern könnte noch komplizierter werden.
 

SZENARIO 3. Türkis-Rot: Angst vor Stillstand-Image

 
Hier gibt es beim Kurz-Team große Bedenken. Hat man doch die Allianz mit der FPÖ mit „dem jahrelangen Stillstand“ der früheren Großen Koalition argumentiert. Die SPÖ hat sich jedenfalls nach dem letzten Sondierungstreffen am Donnerstag dazu entschieden, hoch zu pokern: Man werde nicht weiter sondieren, exklusiv über eine Koalition verhandeln würde man aber schon. Kurz nahm das „positiv“ zur Kenntnis.
 

SZENARIO 4. Türkis-Rot-Pink: Neos als Antrieb

 
Ein weiterer Dreier ist derzeit eine heiße Aktie an der Koalitionsbörse: Sollte der türkis-grüne Wunsch nicht aufgehen und sollten Kurz tatsächlich nur Gespräche mit der SPÖ bleiben, kann es gut sein, dass die Neos wieder ins Spiel kommen. Denn mit ihnen ließe sich das Problem der „Erzählung“ gut richten: ein pinker Turbo für die vermeintliche Stillstandskoalition.
 

SZENARIO 5. Türkis-Blau: noch nicht ganz vom Tisch

 

Türkis-Blau ist trotz ursprünglicher Absage ob der Wahlniederlage von FPÖ-Seite keinesfalls vom Tisch. Parteichef Norbert Hofer hat die Tür wieder einen großen Spalt weit geöffnet. Stimmen, die in der ÖVP für eine Neuauflage argumentieren, gibt es aber kaum noch. Die FPÖ ist in dieser Frage gespalten.
 

In der FPÖ tobt jetzt ein Machtkampf

 
Blauer Streit. Eine Neuauflage von Türkis-Blau wäre für VP-Chef Kurz nicht nur angesichts von Ibiza- und Spesen-Skandal schwer zu argumentieren, die FPÖ würde in etwaiger Koalition auch zum Unsicherheitsfaktor werden. Denn derzeit tobt bei den Blauen ein Richtungsstreit: Die eine Seite versammelt sich hinter Vorzugsstimmenkaiser Herbert Kickl, der im Hintergrund längst die ­Fäden zieht, und will die FPÖ in Opposition sehen – mit einem möglichst harten Kurs. Ein anderer Teil stellt sich hinter Parteichef Norbert Hofer, will auf einen moderateren Kurs einschwenken und hofft nach wie vor auf Regierungsbeteiligung. Über all dem schwebt das Damoklesschwert einer Strache-Partei und damit ­einer Spaltung.

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