Kurz unter Erfolgs-Druck

Türkiser Gipfelstürmer

Kurz unter Erfolgs-Druck

Hochschaubahn. Grundsätzlich ist die Ausgangslage für die ÖVP und ihren erfolgsverwöhnten Spitzenkandidaten ja rosig. In sämtlichen Umfragen liegen die Türkisen zwischen 36 und 38 Prozent und damit 14 bis 17 Prozentpunkte vor der SPÖ. Da könnte sich Sebastian Kurz gemütlich zurücklehnen und einfach entspannt auf den Wahlabend vom 29. September warten. Oder doch nicht? Exzellente Umfragewerte können schließlich auch zur Falle werden. Dann nämlich, wenn die ÖVP-Wähler sich tatsächlich gemütlich zurücklehnen würden und denken: „Eh eine gmahte Wiesn“.

Die ÖVP-Wähler sind noch wütend, das mobilisiert

 
Warnung. Kurz steht zudem nach dem Platzen der türkis-blauen Koalition in mehrfacher Hinsicht unter Erfolgsdruck. Einerseits – erraten – sind die 38 Prozent, die ihm jetzt attestiert werden, auch ein Gradmesser für den Wahlkampf. Andererseits erwartet seine Partei nach der Wahl eben satte Zugewinne von ihm. Politberater raten ihm daher, die Erwartungen zumindest leicht zurückzuschrauben.
 
Seine Stärke: Nach seiner Abwahl durch eine Rot-Blau-Pilz-Mehrheit im Parlament im Mai sind immer noch viele VP-Wähler wütend. Sie fürchten, dass diese Allianz ihn auch nach der Wahl vom Kanzleramt weghalten wolle.
 
Genau diese Wähler wird er – trotz der hohen Umfragewerte – mittels geschicktem Wahlkampf („unser Weg hat erst begonnen“) erneut an die Wahlurnen treiben können. Außerdem wollen auch viele blaue Wähler, dass Kurz wieder Kanzler wird.
 
APA_22730394749422144.jpg © APA/HELMUT FOHRINGER
 

Kurz muss blaue Wähler erst langfristig überzeugen

 
Seine Schwäche: Er hängt eben auch von irritierten FPÖ-Wählern ab, die ihn erst einmal wählen müssten, um wirklich ein sensationelles Nationalratswahlergebnis erzielen zu können. Dafür muss er freilich eine Gratwanderung hinlegen.
 
Er darf einerseits nicht zu klar eine Koalition mit den Blauen ausschließen – denn diese Wähler wollen zumindest eine Fortsetzung des inhaltlichen Kurses von Türkis-Blau –, andererseits muss er ihnen auch klar machen, weshalb eine Zusammenarbeit mit den Blauen nach dem Ibiza-Video nicht mehr möglich gewesen sei.
 
Zudem müsste Kurz darauf hoffen, dass das Ibiza-Video – ein Skandal, der die FPÖ betrifft – nicht zu sehr in Vergessenheit gerät. Je mehr sich ÖVP und SPÖ in dieser Causa wechselseitig beschuldigen, desto mehr hilft das freilich den Blauen.
 
Das könnte wiederum die Freiheitlichen auch dabei unterstützen, ihre Wähler bei Laune zu halten, damit sie nicht zu Kurz überlaufen. Der jüngste Kanzler der Republik ist freilich nicht zu unterschätzen. Er weiß um all diese Probleme und will sich – und vor allem den Wählern – vorerst nur ein wenig Luft geben.
 
APA_22730394749483052.jpg © APA/HELMUT FOHRINGER
 

Türkise wollen nur drei 
Wochen Intensivwahlkampf

 
Geht es nach dem VP-Kanzlerkandidaten, sollen SPÖ und FPÖ bereits jetzt (leer)laufen, während Kurz seinen echten Wahlkampf nur drei Wochen im September führen will. Bis dorthin soll es nur Wanderungen und softe Wahlkampfauftritte geben. Für die letzten drei Wochen hat der Ober-Tür­kise freilich wieder ein genaues Drehbuch, das ihn direttissima ins Kanzleramt führen soll.
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